Waldcamp im Spessart: Von der Theorie zur Praxis

14. März 2012
By | Source: Greenpeace Blog

Anna ist 21 Jahre alt und studiert in Eberswalde International Forest Ecosystem Management. Seit zweieinhalb Jahren ist sie bei Greenpeace dabei und momentan bei Greenpeace Eberswalde Wald-Ansprechpartnerin.

Ihr Wissen über den Wald konnte sie im Waldcamp im Spessart optimal einsetzen. Zurück in der Heimat, hat sie sich die Zeit für ein Interview genommen.

Was hat dich dazu bewogen, im Waldcamp mitzumachen?

Ich interessiere mich nicht nur für den Wald im Ausland, sondern natürlich auch für den vor Ort. Da wir in unserem Studiengang auch sehr viel über den deutschen Wald erfahren, fand ich die Kampagne von Anfang an sehr spannend. Natürlich war es auch teilweise eine super Übungsmöglichkeit, Vermessungspraktiken aus der Theorie anzuwenden. Besonders wollte ich aber einmal alte Buchenwälder in Deutschland sehen. Ich war schon in echten Urwäldern in der Ukraine, aber die Urwälder von morgen kannte ich noch nicht. Zudem haben wir gerade Semesterferien und ich bin immer für Aktiv-Urlaub zu haben.

Welches Ereignis im Wald hat dich am meisten bewegt?

Einige Tage waren wir in einem Gebiet, wo einige Wochen zuvor Holz geerntet wurde. Nun bin ich ja nicht grundsätzlich gegen Holzernte, die Frage ist ja, wie das geschieht. Die Rückegassen waren so eng beieinander, dass der gesamte Wald wie ein durchgepflügter Acker mit einzelnen Bäumen aussah. Zudem wurden so viele Bäume entnommen (angeblich der Eichen wegen), dass es irgendwie wie im Krieg aussah. Diese Art von Praktik macht einen Wald hässlich und abschreckend. Es deprimiert, besonders wenn man andere Bewirtschaftungsmethoden kennt. Ich hoffe sehr, dass die BaySF sich in diesem Punkt wesentlich stärker der ökologischen Forstwirtschaft zuwenden kann und beispielsweise die Rückegassenabstände signifikant verbreitert.

Du studierst ja Forstwissenschaften. Wird deiner Meinung nach in diesem Studium genug Wissen über Nachhaltigkeit vermittelt?

Bei uns wird es sehr gut vermittelt. Die meisten Professoren sind wirklich bemüht, die Nachhaltigkeit und  ökologische Waldaspekte in den Vordergrund zu rücken. Das ist übrigens auch bei unserem Parallelstudiengang Forstwirtschaft so. Dennoch weiß ich, dass da Eberswalde die Ausnahme bildet und in vielen Hochschulen noch klassische Forstwirtschaft unterrichtet wird. Fächer wie „Waldschutz“ sind da vielleicht nicht unbedingt der Fokus.

Ich weiß leider nicht, ob sich nach den heutigen Preise wirklich gewinnbringend ökologisch wirtschaften lässt, was ja viele privatisierte und Privatunternehmen motiviert, anders zu handeln. Aber solange die grundsätzlichen Ökosystemdienstleistungen von Wäldern wie etwa die Reinigung des Wassers, Lebensraum oder Erosionsschutz nicht anerkannt werden, kann auch kein realistischer monetärer Wert des Waldes ermessen werden. Dadurch kommt in den Märkten hauptsächlich nur die klassische Geldquelle Holz  zustande, die unter Umständen eben durch notwendige Maßnahmen zur Aufrechterhaltung anderer Ökosystemdienstleistungen dezimiert wird.

Was hast du im Waldcamp gelernt, das du aus deinem Studium bisher nicht wusstest?

Die Praktiken der Eichensaat beispielsweise waren mir neu oder wie in manchen Regionen „lichter Schirmschlag“ definiert wird.

Aber auch grundsätzliche Sachen wie andere Sorten von GPS Geräten zu verwenden oder nochmal die FFH-Kriterien für Biotopbäume zu wiederholen waren zwar nicht grundsätzlich neu, aber auch mir nicht so bekannt, wie ich es vielleicht gedacht hätte.

Vielen Dank, Anna!

Informiert euch über unsere Kampagne “Stoppt die Säge – Schützt unsere alten Buchenwälder!” und erfahrt in unserer Blogreihe aktuelle Entwicklungen und Hintergründe zu der Kampagne sowie Wissenswertes rund um unsere alten Buchenwälder!

Tags: , , , , , , ,