Waldcamp im Spessart: Bericht der Aktivistin Mona

4. Februar 2012
By | Source: Greenpeace Blog

Der zweite Tag im Wald-Camp im Spessart ist vorüber. Eine Aktivistin, Mona Reichart aus Augsburg, berichtet uns von ihren Eindrücken und Erlebnissen.

“Das erste was ich heute Morgen gehört habe, war der Wind, der an den Zelten rüttelt. Das Wetter scheint mir sagen zu wollen, ich solle noch liegen bleiben. Doch der Wecker spricht leider eine andere Sprache und meine Mitcamper und ich schälen uns aus den vielen Schichten, die uns vor der Eiseskälte bewahren wollen. Es sind gefühlte minus 15°C, bei genauen Angaben versuche ich immer wegzuhören. Die Nächte sind oft härter als die Tage, weil wir uns nicht bewegen können und auf warme Schlafsäcke angewiesen sind. Die einzige Heizung, die wir haben, ist die Wärme, die wir selber erzeugen. Und die mittlerweile im Camp angekommenen Wärmflaschen. Doch selbst die wärmsten Schlafsäcke helfen nicht gegen laute Schnarchangriffe, denen ich seit Dienstag täglich ausgesetzt bin.
Nach einem gesunden, nahrhaften und vor allem warmen Frühstück geht es ab in den Wald. Einige von uns haben die eigenen nicht ausreichend warmen Kleidungsstücke gegen einen “Floater” eingetauscht. Diese sehr warmen Anzüge werden normalerweise von den Schlauchbootfahrern verwendet, die regelmäßig diesen kalten Temperaturen ausgesetzt sind.
Unser Team wird im Wald aufgeteilt. Ein großer Teil schlägt sich durch die Buchenwälder, die aus vielen großen alten Buchenindividuen bestehen, aber auch oft aus vielen sehr jungen Buchen, die das Vorwärtskommen oft nicht leicht machen. Des öfteren war so ein Buchenzweig schon sehr nah an meinem Auge. Manchmal hat es eben auch Vorteile, Brillenträger zu sein. Wir messen die Bäume mit einer sogenannten Klubbe aus und notieren den Brusthöhendurchmesser auf ein gelbes Papier, um es mit einer Art Knetmasse an den Baum zu heften, so dass dieser nicht beschädigt wird. Hinter uns befinden sich die Kartierer, die mit einem Gerät die Daten aufnehmen und das Papier wieder entfernen. Wir sind jeden Tag etwa neun Stunden im Wald unterwegs und bewegen uns so oft wie möglich. Jeder Schritt ist ein Schritt im Kampf gegen die Kälte. Manchmal verliere ich auch die Motivation. Doch hier zeigt sich unsere Teamfähigkeit. Wir bauen uns gegenseitig auf und erinnern uns warum wir hier sind: Wir wollen die Wälder schützen. Die Buchen haben sich nach der letzten Eiszeit zurück nach Deutschland gekämpft und bildeten einen Wald, der Deutschland zu zwei Dritteln einnimmt. Durch die massive Nutzung des Menschen sind die alten Buchenbestände, also Buchen die über 140 Jahre alt sind, auf 2-3 Prozent zurückgegangen. Diese erschreckenden Zahlen motivieren uns immer wieder erneut, durch den leicht verschneiten Wald zu stapfen. Und wenn das nicht mehr reicht, wird die Schokolade ausgepackt und ein paar Minuten Rast auf einer gefällten Buche am Wegesrand sorgen für neue Energie — gefrorene Schokolade hält länger als warme.”

Die Zeit im Camp könnt ihr in unserer Blogreihe verfolgen.

Und wer direkt helfen möchte, den Wald zu schützen, kann bei der Protestmailaktion mitmachen. Schickt eine E-Mail an den bayerischen Staatsminister Dr. Marcel Huber und fordert ihn auf, die Sägen in allen alten Buchen- und Laubwäldern zu stoppen! Weitere Informationen über die alten Wälder findet ihr auch auf unserer Kampagnenseite www.greenpeace.de/buchenwaelder.

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