VW auf der Insel

20. Oktober 2011
By | Source: Greenpeace Blog

Volkswagen hat Großes vor. Spätestens 2018 will der Konzern Weltmarktführer sein (derzeitiger Marktanteil: 11,5 Prozent). Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, setzt das Unternehmen große Hoffnungen auf zwei neue Modelle, die es innerhalb der nächsten Wochen auf den Markt bringen wird: den VW up! (wir demonstrierten) und den VW Beetle. Weil für den Erfolg die unumschränkte Unterstützung von VW-Händlern und –Händlerinnen* eine unverzichtbare Voraussetzung ist, veranstaltet der Konzern in diesen Tage eine formvollendete Sause am einzigen für formvollendete Sausen geeigneten Ort der Welt: Ibiza.

Etwa 11.500 VW-Händler lässt der Konzern derzeit per Charterjets aus Europa und der ganzen Welt auf das balearische Technomekka einfliegen. 150 eigens herbeigeschaffte VW up! und 150 VW Beetle (den Sportbeetle mit 200 PS) stehen für die Herren (und Damen?) zu ausgiebigen Testfahrten auf der Insel bereit. Während eines minutiös geplanten Programmmarathons aus Testfahrten, „Business Meetings“ und inseltypischer Unterhaltung werden sukzessive jeweils 500 Händler 28 Stunden lang bei Laune gehalten.

Zur Klarstellung: Die Formulierung „bei Laune halten“ oben ist keineswegs so abwertend gemeint, wie sie sich auf den ersten Blick liest. Ziel der Veranstaltung ist es natürlich, den VW-Vertrieb auf die geplante Verkaufsoffensive von up! und Beetle einzuschwören und eine emotionale Bindung zu Produkt und Marke herzustellen, obwohl die straff organisierte Massenabfertigung dieses Vorhaben etwas erschwert. Der Titel des Kongresses lautet dementsprechend in höchstem Eventmarketing-Deutsch: „Soul of Sympathy“.

(@) Greenpeace / VW auf der Insel - Greenpeace vor Ort Bei SoS soll es sich angeblich um den größten Kongress dieser Art (aller Zeiten) halten. Ibiza wurde dafür von Kopf bis Fuß mit VW-Werbung austapeziert, insgesamt vier für die Verkaufsmannschaft gebuchte Luxushotels lassen das tägliche Kommen und Gehen über sich ergehen und mit dem für Abendbespaßung reservierten Veranstaltungsort El Lio hat man den Nobelschröder Ibizas auch mit im Programm. 11.500 Händler katapultiert VW für einen Tag aus ihrem Alltag, um ihnen Autos schmackhaft zu machen, die aus Klimaschutzsicht exemplarisch für eine rückschrittliche Produktentwicklung stehen.

VW schenkt seinem Vertriebspersonal also ein beträchtliches Maß an Aufmerksamkeit. Grund für Greenpeace, das VW-Vertriebspersonal ebenfalls mit etwas Aufmerksamkeit zu bedenken: Seit gestern Nachmittag bemühen sich daher Greenpeace-Aktivisten, das Idyll auf der Insel zu bereichern und VW daran zu erinnern, welchem Anliegen der Konzern dringend etwas mehr Aufmerksamkeit zugestehen sollte: dem internationalen Klimaschutz.

Die erste Gedächtnisstütze bildete am gestrigen Nachmittag ein Paraglider-Flug über die Insel. Die Flugroute führte den Greenpeace-Piloten vorbei an einem Parkplatz, auf dem 300 VW-Testfahrzeuge in der Sonne glitzerten. Die Fahrer – unterwegs zum nächsten Programmpunkt (Mittagessen) — betrachteten mit offenem Mund den Himmel, vor dessen Blau ein flatterndes Greenpeace-Banner seine Runden machte. Zwei weitere Überraschungen wartete heute auf und an der Teststrecke. Auf einem Abschnitt der Strecke hatten Greenpeace-Aktivisten in der Nacht unmissverständlichen Straßenbemalungen auf den Asphalt gebracht. Und wie auf übergroßen Post-It-Zetteln erinnerte an der Strecke das Antlitz von Darth VWader auf überklebten Plakatwände an die dunkle Seite des Volkswagen-Konzerns.

Greenpeace verstärkt in diesen Tagen nochmals seine Anstrengungen, von Volkswagen brauchbares Engagement für mehr Klimaschutz einzufordern: Noch bis zum 14. November stehen 80 überaus sehenswerte Filme aus dem Greenpeace-Kurzfilmwettbewerb “See Volkswagen Differently” zur Abstimmung bereit. Jetzt wählen gehen!

*Ich habe noch nie eine VW-Händlerin gesehen geschweige denn mit einer gesprochen, aber mir wurde gesagt, es gebe sie. Der Einfachtheit halber werde ich im Text nur von Händlern sprechen.

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