Von Orang-Utan-Friedhöfen und schmutzigem Palmöl

21. November 2013
By | Source: Greenpeace Blog

Dieser wunderschöne Orang Utan saß nur ein paar Meter von mir entfernt und aß mit großer Gelassenheit das Obst, das man hingelegt hatte.  Es war eine unglaubliche Erfahrung, diese Tiere aus solcher Nähe und zugleich so entspannt in ihrem natürlichen Lebensraum — im Wald — zu erleben. Doch der Orang Utan ist eine vom Aussterben bedrohte Art, deren Waldheimat in Indonesien akut gefährdet ist.
Bis vor kurzem gehörten die Futterstation und der sie umgebende Wald zu einem geschützten Nationalpark — doch dies war einmal. Mittlerweile ist dieses Gebiet im Besitz des Palmöl-Konzerns Bumitama, der voller Stolz seinen aggressiven Expansionsplan verkündet hat: Allein in diesem Jahr sollen auf einer Fläche von 15.000 Hektar neue Palmölplantagen entstehen – das sind umgerechnet fast 60 Fußballfelder täglich!

Der Friedhof der Orang Utans

Im August 2013 enthüllte eine Untersuchung von Greenpeace International  und der Friends of National Parks Foundation (FNPF) einen Tatort auf der neuen Bumitama-Konzessionsfläche (PT ASMR), nur wenige Meter entfernt von der Palmölplantage PT BLP (Teil der BW Plantage). Die Rechercheure dokumentierten dort einen Orang Utan-Schädel.

Seit März 2013 haben die Orangutan Foundation International (OFI) und die FNPF an verschiedenen Stellen entlang der Grenze zwischen den beiden Palmöl-Konzessionsflächen die Überreste von mehreren Orang Utans dokumentiert. In einem Brief forderten sie die Behörden auf, dringend etwas zu unternehmen — die Organisationen beschreiben dieses Gebiet als „Orang Utan — Friedhof“. Inzwischen ermittelt die Polizei und es liegt in ihrer Verantwortung festzustellen, wie diese Tiere umgekommen sind und wer für ihren Tod verantwortlich ist.
Solange das Urteil durch die Behörden noch aussteht, muss man mit Beunruhigung zur Kenntnis nehmen, dass diese schrecklichen Vorfälle in so großer Nähe zu den Konzessionsgebieten zweier RSPO-Mitglieder geschahen — BW Plantation und Bumitama — und dass keiner dieser Konzerne öffentlich dazu Stellung genommen hat.  (Anmerkung: RSPO: „Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl“, englisch: Roundtable on Sustainable Palm Oil) Auf kürzlich gestellte Anfragen von Greenpeace und Journalisten zum aktuellen Stand der Polizeiermittlungen gab es von Behördenseite keine zufriedenstellende Antwort.
Zudem ist Bumitama bereits zuvor negativ aufgefallen. Das Vorgehen von Bumitamas PT Ladang Sawit Mas, einem Konzern mit fast 6.500 Hektar Konzessionsflächen in Westkalimantan, wurde Anfang 2013 bekannt, als Bilder veröffentlicht wurden, die den International Animal Rescue Indonesia (IAR-I) bei einer dramatischen Rettungsaktion von vier unterernährten Orang Utans zeigten.

Jedes Jahr verliert Indonesien Regenwaldgebiete, die einer Größe von 100 Mal der Insel  Manhattan (620.000 Hektar) entsprechen. Dadurch sind unzählige Tierarten vom Aussterben bedroht. Auf der indonesischen Insel Sumatra leben zum Beispiel nur noch etwa 400 Sumatra-Tiger, deren Zukunft vor allem durch die ihren Lebensraum zerstörende Palmölindustrie gefährdet wird.

Was muss passieren?

Palmöl kann nachhaltiger produziert werden. Palmöl kann — und muss — einen echten Beitrag für Indonesiens Entwicklung leisten, ohne dabei die Zukunft der Menschen, der Tierwelt und das Weltklima, von dem wir alle abhängig sind, zu zerstören. Einige Firmen bewegen sich bereits in die richtige Richtung:

  • Unilever will bis Ende 2014 die Herkunft seines Palmöls genau dokumentieren können. Das kündigte das Unternehmen kürzlich auf einem AGM des Runden Tisch für Nachhaltiges Palmöl an.
  • Auch Ferrero, unter anderem Hersteller von Nutella, wird Maßnahmen gegen die Entwaldung treffen. Bis spätestens 2015 sollen alle ihre Zulieferer strenge Auflagen hinsichtlich Waldschutz, speziell hinsichtlich von Wäldern auf Torfböden, und Menschenrechten, erfüllen.
  • Damit folgen sie Nestlé, dieser Konzern hat sich bereits zuvor auf eine „Null-Entwaldungs-Policy“ verpflichtet.

Hilf uns, mehr Unternehmen zu überzeugen, aktiv zu werden! Denn wenn noch mehr Konsumgüterunternehmen überzeugt werden können, ähnliche Richtlinien einzuführen, dann kann dadurch auch mehr Druck auf die gesamte Industrie ausgeübt werden, die Geschäfte mit schmutzigem Palmöl zu beenden — einschließlich durch die Akteure, die die Palmölindustrie beherrschen.

Dazu gehört auch Wilmar. Der weltgrößte Händler von Palmöl und seinen Derivaten ist ein wesentlicher Investor innerhalb der Bumitama-Gruppe mit einem Anteil von mehr als 70% des Bumitama-Palmölhandelgeschäfts, sowie mehr als 30% des BW Plantation-Handels. Erst vor wenigen Wochen haben wir aufgedeckt, dass Wilmar Palmöl von Firmen kauft, die das Tigerhabitat in Sumatra zerstören. Wilmar gehört zum Netzwerk globaler Weltkonzerne — sie reichen von unverantwortlichen Palmölproduzenten wie Bumitama und BW Plantation bis zu Unternehmen bekannter Handelsmarken — die uns dadurch, als Konsumenten, zu unfreiwilligen Komplizen dieser Zerstörung machen. Wilmar handelt mehr als ein Drittel des  weltweit produzierten Palmöls. Der Konzern kann die Palmölindustrie verändern — wenn er dies will. Wir fordern Wilmar daher auf, eine Vorreiterfunktion einzunehmen, die seiner wirtschaftlichen Dominanz im internationalen Palmölhandel entspricht. Wilmar muss die Palmöl-Lieferkette von sämtlichen Handelsgeschäften befreien, die im Zusammenhang mit Urwald- und Torflandzerstörung stehen. Wilmar muss sich dieser Herausforderung jetzt stellen. Die Orang Utans und Tiger können nicht länger warten.

Dieser Blogbeitrag erschien auf englisch bei www.greenpeace.org. Wirendro Sumargo ist Waldcampaigner bei Greenpeace Southeast Asia. Hier geht es zum Original-Blogbeitrag.

Tags: , , ,