Von Manganknollen und Erdölförderung: Neuer World Ocean Review zu Rohstoffen aus dem Meer

21. Februar 2014
By | Source: Greenpeace Blog

Brennbares Eis aus Methan und Wasser, seltene Erden, verschlossen in Millionen Jahre alten Manganknollen, riesige Öl- und Gasvorkommen – all das lagert unter dem Meeresboden. Mit den knapper werdenden Ressourcen wird die Förderung dieser Rohstoffe immer attraktiver. Gleichzeitig wächst die Gefahr, das fragile Ökosystem Meer damit immer weiter zu stören.

Diese hochaktuelle Frage der Chancen und Risiken des Rohstoffabbaus im Meer beleuchtet die dritte Ausgabe des „World Ocean Review“, die heute auf einer Presskonferenz  im ehemaligen Hauptzollamt in Hamburg vorgestellt wurde. Das Anliegen des Herausgebers maribus ist es, komplexe wissenschaftliche Daten und Fakten zum Thema Meer einer breiten Öffentlichkeit näherzubringen, ohne dabei die wissenschaftliche Genauigkeit aus den Augen zu verlieren. Das ist den Autoren auch in dieser Ausgabe sehr gut gelungen.

Greenpeace-Aktivisten fahren mit Schlauchboot auf Gazprom-Plattform Prirazlomnaya in der russischen Petschorasee zu - (c) Denis Sinjakow - Greenpeace

Greenpeace-Aktivisten fahren mit Schlauchboot auf Gazprom-Plattform Prirazlomnaya in der russischen Petschorasee zu – (c) Denis Sinjakow – Greenpeace

Nach einer kurzen Einführung diskutierten drei hochkarätige Wissenschaftler im vollbesetzten Saal vor allem über den Abbau der Manganknollen in der Tiefsee. Es dauerte eine Weile, bis die Diskutanten auf das zentrale Thema kamen – die enormen Risiken, die mit solch einem Tagebau unter Wasser verbunden sind.  Denn dabei wird der Tiefseeboden abgeschürft, die extrem langsam wachsenden Lebewesen ausradiert. Und es wird eine Menge Sediment aufgewirbelt, was zur Verunreinigung des Meerwassers weit über das Abbaugebiet hinaus führt. Zwar habe sich die Flora und Fauna auch in einem Testgebiet in der Tiefsee innerhalb von sieben Jahren ein Stück weit erholt, sagte Gerd Schriever vom BIOLAB Forschungsinstitut, langfristige Folgenabschätzung gibt es aber noch nicht.  Immerhin versuche die internationale Staatengemeinschaft im Vorfeld die möglichen ökologischen Folgen eines Abbaus von Manganknollen zu berücksichtigen und fordert ein umfassendes ökologisches Monitoringprogramm. „ Die Auflagen der Internationalen Meeresbodenbehörde sind hoch“, bemerkte Dr. Christian Reichert, selbst Mitglied dieser Behörde, nicht ohne Stolz.

Auf die Frage, ob es nicht aus ökologischer Sicht sinnvoll sein könnte, die Tiefseeregionen in Ruhe zu lassen, kam die resignierte Erwiderung: „Wir sollten uns da keinen Illusionen hingeben, die Aussicht auf Gewinne treibt die Industrie ins Meer“.

Nach der Rolle Deutschlands gefragt, antwortete Dr. Sven Petersen vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel, dass Deutschland und die EU sich immerhin für ordentliche ökologische Bestimmungen einsetzen würden. Und hier wurde es endlich kontrovers: Nikolaus Gelpke, der Verleger des mareverlags und Gründer von maribus, entgegnete durchaus leidenschaftlich, dass dies leider nur für die Hohe See gelte – und nicht für den Einflussbereich der einzelnen Meeresanrainerstaaten. Leider würde genau hier, in der 200 Seemeilen-Zone von der Küste, der Großteil des Rohstoffabbaus passieren – ohne Aufsicht der internationalen Gemeinschaft, „getrieben von der Profitgier der Industrie“. Gelpke führte als Beleg die Negativbeispiele der Ölförderung im Nigerdelta oder vor der Küste Angolas an. Und damit hat er recht: Während Regierungen und die Ölkonzerne in diesen Regionen satte Gewinne erzielen, bleiben Bevölkerung und Meeresumwelt auf der Strecke. Auch die Ölkatastrophe der Deepwater Horizon im Golf von Mexiko ist auf mangelnde Kontrolle und fehlende technische Auflagen zurückzuführen.

Tags: , , , , , , , , , , ,