Strahlenschutz-Experten von Greenpeace haben vor der Küste Japans hohe Messergebnisse bei Fisch und Meeresfrüchten festgestellt. Nach den Meldungen, dass die japanische Regierung das wahre Ausmaß radioaktiver Freisetzungen in Fukushima verschleiert und die Bevölkerung so gefährdet hat, zeigt diese Nachricht erneut, wie dringend erforderlich es ist, dass die Behörden endlich zu transparentem Handeln übergehen.
Auf einer Pressekonferenz (Videos hier und hier) hat Greenpeace heute erklärt, dass Strahlenschutz-Experten zwischen dem 22. und 24. Juli Häfen in der Iwaki-Präfektur besucht haben um dort mit Hilfe ansässiger Fischer Proben von Fischen und Meeresfrüchten zu nehmen. Die französischen Labore ACRO und CRIIRAD haben die Belastung analysiert und bei einigen Proben hohe Level an Radioaktivität gemessen. Das bedeutet, dass die Verstrahlung der Küste Fukushimas immer noch beträchtlich ist.
Greenpeace hat daher verlangt, dass die japanische Regierung entsprechende Lebensmittel hinsichtlich Fanggebiet und Strahlungswert kennzeichnen lässt, da Supermärkte ihren Kunden zu wenig Informationen bieten. Die regelmäßige Überprüfung der Strahlung sollte außerdem verbessert und Richtlinien zur Nahrungsmittelfreigabe sollten verschärft werden.
All das muss so schnell wie möglich passieren. In Fukushima und Ibaraki stehen die Fischerei-Saisons unmittelbar bevor. Es ist ein Rennen gegen die Zeit — Fische und Meeresfrüchte sind zentrale Bestandteile der japanischen Küche. Anders als für Rindfleisch gibt es aber keine Gesetze, die die Herkunft von Fisch und Meeresfrüchten ausweisen. Die inadäquat durchgeführten Messreihen der Regierung allein reichen nicht aus, um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten, falls kontaminierte Produkte auf den Markt kommen.
Unterdessen scheint es jedoch, als seien Regierungsvertreter in größerer Sorge um ihre Jobs als um die Sicherheit der Bevölkerung. Nach einem Bericht der New York Times sind Vorhersagen der Regierung zur Ausbreitung von Radioaktivität über die Luft in der ersten Zeit nach der Fukushima-Katastrophe…
… durch Bürokraten in Tokyo zurückgehalten worden — in einem Klima, in dem Verantwortlichkeit und Kritik tunlichst vermieden werden sollten. Japans politsche Führung wusste zunächst nichts von dem System und spielte die Zahlen anschließend herunter, anscheinend aus Angst, die Evakuierungszone erweitern zu müssen und die Schwere des Unglücks anzuerkennen.
Und damit nicht genug: Hinweise, dass in wenigstens einem der Reaktoren in Fukushima eine möglicherweise katastrophale Kernschmelze eingesetzt hatte, fanden Inspektoren vor Ort bereits einen Tag nach dem Tsunami am 11 März — doch über Monate wurden sie zurückgehalten.
Der Umgang mit der Krise darf so nicht weitergehen. Die japanische Regierung handelt völlig unzureichend. Sie sollte damit anfangen, die Sicherheit und das Vertrauen der Bevölkerung wieder herzustellen. Ab sofort ist wirksames und transparentes Handeln gefragt.
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Gastautor Justin McKeating ist Blogger bei Greenpeace International. Sein Beitrag ist im Original auf dem GPI-Blog “Nuclear Reaction” zu lesen (und kann dort auch kommentiert werden). Die Greenpeace-Presseerklärung zu den Messungen gibt es hier.

