Vattenfall sieht keine Zukunft mehr im Braunkohlegeschäft

24. Juli 2013
By | Source: Greenpeace Blog

Gestern hat Vattenfall angekündigt, dass sich der schwedische Energiekonzern von seinem Geschäft in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden trennen möchte. Die Geschäftsteile sollen zunächst abgespalten und dann teilweise oder ganz verkauft werden.

Bereits vor einem halben Jahr hat Vattenfall den Verkauf seiner 50%-Beteiligung am Braunkohlekraftwerks Lippendorf (bei Leipzig) angekündigt – bisher aber keinen Käufer gefunden. Nun werden auch die Lausitzer Kraftwerke und -tagebaue zum Verkauf gestellt.

Vattenfall gesteht damit ein, dass das deutsche Braunkohlegeschäft keine Zukunft mehr hat. Der schwedische Energiekonzern hat in der Vergangenheit stark auf die Kohle gesetzt und den Ausbau der Erneuerbaren vernachlässigt. Das rächt sich nun: Vattenfalls Kraftwerke verdienen immer weniger Geld, weil die Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien steigt und die Strompreise im Großhandel sinken. Die Energiewende führt dazu, dass fossile Kraftwerke immer seltener gebraucht werden. Seltsam nur, dass der Konzern in der Lausitz weiterhin den Aufschluss neuer Tagebaue plant und damit begründet, dass die Braunkohle noch über 2050 hinaus gebraucht würde. Wenn der Konzern aus den Fehlern der Vergangenheit etwas gelernt hat, dann sollte er die Planungen für neue Tagebaue umgehend einstellen.

Vattenfalls Rückzug aus dem Deutschlandgeschäft wirft auch die Frage auf, ob sich der Konzern damit der Folgekosten seines Atom- und Kohlegeschäfts entledigen möchte. Im vergangenen Jahr hat Greenpeace aufgezeigt, dass die Rückstellungen der Energiekonzerne für die Stilllegung ihrer AKW für die anfallenden Kosten bei weitem nicht ausreichen. Doch auch für die Sanierung der Braunkohletagebaugebiete fallen noch Jahrzehnte nach Beendigung der Förderung erhebliche Kosten an. Im vergangenen Jahr hat Vattenfall seine deutsche Tochtergesellschaft bereits in eine Gmbh umgewandelt – denn so muss der schwedische Mutterkonzern im Fall einer Pleite nicht für Verluste gerade stehen. Es besteht die Gefahr, dass am Ende der Steuerzahler für die Folgekosten aufkommen muss.

Interessant wird sein, ob Vattenfall für sein deutsches Geschäft überhaupt einen Käufer findet. Für die vor einem halben Jahr zum Verkauf gestellte Beteiligung am Braunkohlekraftwerk Lippendorf konnte Vattenfall noch keinen Kaufinteressenten präsentieren. Es ist daher mehr als fraglich, ob sich in Zeiten der Energiewende noch ein Investor findet, der für das Lausitzer Braunkohlegeschäft eine langfristige Zukunft sieht. Unter diesen Bedingungen ist es vollkommen unverantwortlich, dass sich die Landesregierungen von Brandenburg und Sachsen weiter für neue Braunkohletagebaue einsetzen. Die Ministerpräsidenten Platzeck und Tillich sollten sich für eine umgehende Beendigung der Braunkohleplanverfahren Nochten II, Welzow-Süd II und Jänschwalde-Nord aussprechen.

Du kannst hier gegen neue Tagebaue in der Lausitz unterschreiben und damit deinen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

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