Vahrenholt, RWE und die Klimaskeptiker

13. Februar 2012
By | Source: Greenpeace Blog

Rauchen ist gesund, Giftmüll macht schlank und die Klimaerwärmung findet nicht statt: Die Industriepropaganda schreckt vor den schrägsten Behauptungen nicht zurück. So wie uns in den sechziger Jahren die Tabaklobby einzureden versuchte, dass Zigarettenrauch nicht krebserregend sei, sollen jetzt die Abgase aus den Schloten der Kohlekraftwerke gar nicht so klimaschädlich sein. RWE-Manager Fritz Vahrenholt hat die alten Irrglauben der Klimaskeptiker neu zusammengefasst und zusammen mit dem RWE-DEA Geologen Sebastian Lüning einen über 400 Seiten dicken Wälzer über Sonnenfleckenzyklen verfasst.

Vahrenholt wiederholt die immer gleichen Behauptungen der Klimaskeptiker, die längst wissenschaftlich widerlegt sind. Ausführliche inhaltliche Auseinandersetzungen finden sich in der Zeit, im WissensLog vom Spektrum der Wissenschaft und auf der Informationsseite Klimafakten. Dem gibt es nicht viel hinzuzufügen. Interessant bleibt aber die Strategie, mit der Vahrenholt und RWE (mit über 165 Millionen Tonnen CO2-Emissionen im Jahr 2010 Europas Klimakiller Nummer 1) gemeinsam versuchen, den Klimawandel zu leugnen und den Ausbau der Erneuerbaren Energien zu torpedieren. Vahrenholts Buch ist Teil einer gezielten Desinformationskampagne, die aus einer Allianz zwischen Klimaskeptikern und einem großen deutschen Energiekonzern entstanden ist.

  • In den neunziger Jahren unterstützte RWE die Desinformationskampagnen des Bundesverband Landschaftsschutz (BLS) der Windenergie als “rotierenden Wahnsinn” ansieht und  ihre Nutzung als “Windkraft-Vandalismus” verunglimpft. Die Propagandaschriften gegen den Bau von Windkraftwerken werden über die damalige RWE-Tocher Hochtief verschickt.
  • November 2005: Klimaskeptiker Chris Horner trifft sich auf der Foratom-Tagung in Brüssel mit dem RWE Chef-Lobbyisten Markus Becker, um ein brisantes internes  Strategiepapier durchzusprechen. Zusammenfassung und Empfehlungen von Horners Präsentation:

    Industrieorganisationen sind die falsche Plattform, um den Kurs der EU Klima-Agenda zu beeinflussen. Stattdessen sollte man ein aktives Team von Experten aufbauen, um der Kyoto-Agenda der Kommission etwas entgegen zu setzen.  Eine solche Koalition hat bereits Erfolge in den USA genossen, und teilweise auch schon gute Dienste in der EU geleistet.  RWE soll — zusammen mit anderen interessierten Konzernen – einen solchen Koalitions-Ansatz initiieren.

    RWE bestreitet auf Nachfrage das Treffen nicht. Dieses geheime Strategiepapier der Klimaskeptiker entlarvt jetzt RWE.

  • Selbst noch im Jahr 2006 behaupten die RWE-Manager allen Ernstes, der Klimawandel sei nur eine “subjektive Wahrnehmung einer angenommenen Gefahr, die weder konkret noch gegenwärtig” sei. “Ob es Klimaveränderungen geben wird, ist wissenschaftlich nicht bewiesen.” (Schriftsatz vom 30. August 2006)
  • Im April 2011 nimmt Fritz Vahrenholt als spezieller Gast der Klimaskeptiker von EIKE an einer internen Diskussionsveranstaltung mit dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) teil. Auch auf dem vierten Klimaskeptiker-Kongress im November 2011 ist RWE-Mann Vahrenholt zu Gast. Als Referent mit dabei ist auch wieder Chris Horner.
  • Und jetzt die Veröffentlichung von Vahrenholts Buch “Die kalte Sonne – Warum die Klimakatastrophe nicht stattfindet”. Damit ist genau das eingetreten, was Horner RWE im Jahr 2005 empfohlen hatte: RWE hat sich nach amerikanischem Vorbild mit den Klimaskeptikern verbündet. Mit RWE-Manager Vahrenholt haben sie den Provokateur gefunden, der lautstark und öffentlichkeitswirksam die kruden Thesen der Klimaskeptiker verbreitet.

RWE und Vahrenholt zielen darauf ab, Zeit zu gewinnen. Nur so lässt sich noch weiter die Kohleverstromung rechtfertigen. Mit ihrer Hinhaltetaktik verfolgen sie ein Ziel: Zweifel streuen und damit den notwendigen Umbau der Industriegesellschaft hin zu Erneuerbaren Energien zu verzögern. Denn eines macht Vahrenholt ganz geschickt: Er leugnet den CO2-bedingten Treibhauseffekt nicht, sondern er spielt ihn herunter. Dazu noch maßlos überhöhte Annahmen zu den Auswirkungen mehrerer Sonnenfleckenzyklen, deren Minima wie zufällig im Jahr 2030 allesamt zusammentreffen. Schon wird es in den Vahrenholt-Szenarien kälter.

Amerikanische Klimaskeptiker wie Chris Horner, finanziert von ExxonMobil und der Koch-Industrie, haben gezeigt, wie sich mit Desinformationskampagnen Stimmung machen lässt. Wird diese Meinungs-Manipulation Vahrenholt in Deutschland auch gelingen? Zweifelsohne hat er mit seinem Buch viel Staub aufgewirbelt, aber bislang hat sich die Öffentlichkeit in Deutschland von Industrielobbyisten im Auftrag von RWE nicht hinters Licht führen lassen.

RWE, Vahrenholt und die Klimaskeptiker

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