Start auf der COP 19: Keine guten Vorzeichen

11. November 2013
By | Source: Greenpeace Blog
Protest in Warschau: Projektionen an ein Kohlekraftwerk © Konrad Konstantynowicz / Greenpeace

Protest in Warschau: Projektion an ein Kohlekraftwerk

Die Klimakonferenz  in Warschau (COP 19) startet unter keinem guten Vorzeichen. Das arktische Eis schmilzt rapide, die Versauerung der Ozeane nimmt zu und mit dem Taifun „Haiyan“ wird uns wieder einmal vor Augen geführt, was die prognostizierten und immer häufiger auftretenden Extremwetter-Ereignisse mit uns Menschen anrichten können. Die Kollegen von den Philippinen verfolgen die ganze Zeit die Nachrichten aus der Heimat von Familie und Freunden.

Da mutet es schon zynisch an, dass die gastgebende Regierung Polens sich im Vorfeld immer wieder dazu bekannt hat, weiterhin auf die Verbrennung von Kohle zu setzen. Als ich gestern Abend selbst vor der größten CO2-Dreckschleuder von Europa stand — dem Kohlekraftwerk  von Belchatow mit 5.053 Megawatt Leistung — wurde ich noch einmal bestätigt: Wir müssen bis Mitte des Jahrhunderts die Verbrennung von Öl und Kohle beenden. Mit unseren Projektionen an sechs Kohlekraftwerken vergangenen Samstag wollten wir zeigen, dass die Verbrennung von Kohle hier zu Stürmen, Trockenheit und Fluten auf der anderen Seite des Erdballs führen kann.

Es ist unglaublich, dass die polnische Regierung auf der Klimakonferenz ausgerechnet denen den roten Teppich ausrollt, die für die schlimmen Folgen des globalen Klimawandels verantwortlich sind: den Vertretern der Energiewirtschaft, die auf die dreckige und klimaschädliche Verbrennung von Kohle und Öl setzen. Hinter verschlossenen Türen haben einige afrikanische Länder die polnische Präsidentschaft wegen der Öffnung der Konferenz für die fossile Industrie kritisiert. Völlig unverständlich ist, dass die Leiterin des UNFCCC Klimasekretariats, Christiana Figueres, auf der Kohle-Konferenz (World Coal Summit) sprechen will. Das haben die NGOs Friends of the Earth Europe, der WWF, Oxfam, ActionAid, ChristianAid und Greenpeace in einem offenen Brief stark kritisiert. Die UN sollte an der Seite der Menschen stehen und nicht an der Seite der Verursacher der Klimakatastrophen.

Die Philippiner haben heute im Plenum ein ergreifendes Statement abgegeben. Dabei haben sie auf die katastrophalen Folgen aufmerksam gemacht. Es ist schon jetzt zu spät für die Reduzierung von Treibhausgasen, um alle Katastrophen von den Menschen abzuhalten. Unter Tränen hat Naderev Sano, der Leiter der philippinischen Delegation,  einen Notfallweg gefordert. Er würdigte Menschen, die sich mit ihrem Engagement gegen die Verursacher der Arktisschmelze einsetzen — die Zivilgesellschaft, die sich gegen Kohlekraftwerke, Ölpipelines und Ölbohrungen in der Arktis einsetzt. Am Schluss hat er angekündigt, dass er so lange fasten will, bis hier in Warschau ein gutes Ergebnis herauskommt.

Kurz danach wurde ein Statement des NGO Netzwerks CAN mit über 700 Organisationen verlesen, das die Freilassung der Arctic 30 und den Schutz des Klimas einforderte.

Martin Kaiser, Klimaexperte bei Greenpeace, und Stefan Krug, Leiter der Politischen Vertretung, werden von der COP 19 bloggen. Alle Beiträge könnt ihr hier nachlesen. Auf Twitter erfahrt ihr die wichtigsten Ereignisse rund um die Uhr. Folgt auch Martin Kaiser direkt auf Twitter, um Fragen zu stellen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur COP haben wir hier zusammengestellt.

Tags: , , ,