Greenpeace-Fotograf Markus Mauthe war unterwegs im Amazonas-Regenwald. Im Greenpeace Blog berichtet er von seinen Erlebnissen und Eindrücken (zum 1. Teil, zum 2.Teil, zum 3.Teil, zum 4.Teil)
Wer sich mit dem Tropenwald in Brasilien beschäftigt, denkt wohl in der Regel zuerst an Amazonien, den größten Regenwald der Erde. Dabei gibt es mit der Mata Atlântica ein Waldökosystem, welches in vielerlei Hinsicht mit dem Amazonas Biom mithalten kann. Die Mata Atlântica ist eine in der Welt einzigartige Vegetationsformation in Hinsicht auf biologische Vielfalt und landschaftliche Schönheit. In der Vergangenheit erstreckte sich der Küstenregenwald über 15 Prozent des brasilianischen Territoriums und betrug etwa 1,3 Millionen Quadratkilometer. Dieser Lebensraum stellt eines der komplexesten Ökosysteme unseres Planeten dar und gilt als eines der am stärksten bedrohten Gebiete überhaupt. Der atlantische Küstenregenwald verfügt unter allen Wäldern der Erde über die höchste Vielfalt an Biodiversität und ist somit artenreicher als der Amazonas. Man geht von mehr als 10.000 Pflanzenarten, etwa 620 Vogelarten und 261 Säugetierarten aus. Doch dieser Zauberwald ist bis heute zu über 90 Prozent vernichtet oder in Sekundärwald verwandelt worden.
Zu Besuch auf der Kakaofarm “Almada”
Meinem Reisepartner Luis habe ich viel zu verdanken. Die Mata Atlântica ist praktisch sein zweites Zuhause. Luis hat hier fünf Jahre gelebt und als Biologe in den Wäldern Spinnen erforscht. Unser erstes Ziel ist das kleine Städtchen Ilheus im Bundesstaat Bahia. Wir besuchen hier eine Kakaofarm, die etwa 20 Kilometer im Landesinneren liegt. Die Fazenda trägt den schönen Namen “Almada” und hat eine Größe von ungefähr 500 Hektar. Elf Familien leben auf dem Gelände und arbeiten in der Plantage. 
Der Alltag von Millionen Kakaobauern ist extrem schwierig geworden, seit die Preise auf dem Weltmarkt zusammengebrochen sind. Außerdem gefährdet seit einigen Jahren eine mysteriöse Pilzkrankheit die Ernte. Es sind harte Zeiten. Das veranlasst die Chefin der Farm, Juliana Torres, über neue Strategien zum Erhalt des Unternehmens nachzudenken. Ein Ansatz könnte der Ökotourismus sein, denn die Plantage hat einige Juwelen zu bieten.
Ein Lebensraum für Goldkopf-Löwenäffchen
Es gibt hier zwar keinen Urwald mehr, doch die großen alten Bäume vom ursprünglichen Wald wurden als Schattenbäume stehen gelassen. Dadurch können die am Boden wachsenden, nur wenige Meter hohen Kakaostauden in deren kühlendem Schatten gut gedeihen. Hier leben die vom Aussterben bedrohten Goldkopf-Löwenäffchen. Es gibt in Brasilien vier verschiedene Gattungen von Löwenäffchen. Biologen gehen davon aus, dass schon in wenigen Jahren zwei Arten davon verschwunden sein werden. Dies versucht man hier zu verhindern, indem die Tiere beobachtet werden, um so mehr über ihre Bedürfnisse und Lebensgewohnheiten zu erfahren.
Für drei Tage begleiten wir die Äffchen im Wald. Fotografisch ist diese Aufgabe nicht einfach zu lösen. Meist befinden sich die Tiere weit außerhalb der Reichweite unserer Kameras. Doch einmal am Tag kommen sie auf Ihrer Suche nach Nahrung auch in tiefer gelegene Bereiche des Waldes. Diese Minuten sind für uns entscheidend. Es ist erstaunlich, wie schnell sich die Tiere bewegen und mit einer Leichtigkeit von Baum zu Baum springen. Innerhalb der Gruppe herrscht ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Oft beobachten wir sie bei der gegenseitigen Fellpflege und sehen, wie sie sich die Nahrung teilen.
Fühlen sie sich belästigt, geben sie schrille Laute von sich, die eher an einen Vogel als an einen Affen erinnern. Löwenäffchen sind Allesfresser, die sowohl Insekten, Spinnen, Schnecken, Vogeleier und kleine Wirbeltiere als auch Früchte zu sich nehmen.
Wie schön wäre es, wenn die Almada-Farm ein Vorbild werden könnte, die die Belange der Natur und der Menschen am selben Ort vereint. Ich bin überzeugt davon, dass die Bedürfnisse der Menschen mit wenig Aufwand viel besser in Einklang mit unserer Umwelt gebracht werden könnten — wenn wir es nur wollen!

