Reise nach Japan

6. August 2013
By | Source: Greenpeace Blog

Jannik Hauke ist 25 Jahre alt und kommt aus Hildesheim. Dort studiert er Soziale Arbeit. Seit etwa drei Jahren ist er in der Anti-AKW-Bewegung aktiv. Bei einem Besuch der ehemaligen Vorsitzenden der BI Lüchow Dannenberg im Wendland, lernte er drei Japaner kennen. Die japanischen Anti-Atom-Aktivisten luden ihn nach Japan ein.
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Jannik Hauke zusammen mit Hiroyuki Yamamoto und Yasuhiro Tanaka.

Am 31. Juli bin ich ab Hamburg über Dubai nach Tokio Haneda geflogen. Angekkommen bin ich am 2. August im Mitternacht. Jetzt bin ich schon den vierten Tag in Japan, die Zeit vergeht wie im Flug. Jetlag und Hitze haben mir die ersten Tage ganz schön zugesetzt. Die Aufregung und die vielen neuen Eindrücke fordern ihren Tribut.

Nobuo Manabe, genannt Tigermann, hat mich vom Flughafen abgeholt. Er ist Vertreter des internationalen Arbeiter-Solidaritätskomitees (IASK) Doro-Chiba. Er bracht im in der Gastwohnung einer Freundin in Funabashi in der nähe von Tokio unter. Tigermann wird mich die nächsten Tage auf meiner Reise begleiten. Er spricht Deutsch und wir für mich übersetzten. Nach einer für mich kurzen Nacht gab es gleich Mittagessen und danach ging es in mein Hotel. Dort fiel mir gleich der nahegelegene Park auf. Er ist wunderschön und lädt zum Verweilen ein.

Am Abend lernte ich den Geschäftsführer vom IASK Doro-Chiba, Hiroyuki Yamamoto, und den Vorsitzenden der unabhängigen Eisenbahner-Gewerkschaft Doro-Chiba, Yasuhiro Tanaka, kennen. In Japan ist es üblich beim kennenlernen Geschenke auszutauschen. Das war dann auch der erste Tagesordungspunkt unseres Treffens. Danach habe ich vom Widerstand gegen das AKW Grohnde erzählt und die Proteste gegen die MOX-Transporte mit Bildern erläutert.

Tigerman (2. links) und Janik bei NAZEN.

Bevor wir zum Essen aufbrachen, bekam ich noch ein T-Shirt von Doro-Chiba überreicht! Und zum üblichen Prozedere gab es noch ein Fotoshooting im Büro. Beim Chinesen lerte ich dann einiges über die Geschichte von Doro-Chiba. Es gab auch Kritik an der Neoliberalen Politik der Regierenden LDP. Besonders kritisch stellten mir meine Begleiter das verbrecherische Handeln der Regierung und Tepco nach der Katastrophe in Fukushima dar. bezogen auf den Umgang mit dem Unglück in Fukushima. Tepco bekommt die Lage in Fukushima Daiichi nicht unter Kontrolle. Die Regierung belügt die Menschen und erzählt ihnen der Super-GAU wäre vorbei und sie können beruhigt nach Fukushima-Stadt zurückkehren.

Zudem gibt die Regierung der Medizinischen Universität Fukushima Anweisungen, wie sie über den GAU zu kommunizieren haben. Deshalb sagen die Ärzte in Fukushima den Menschen nicht die Wahrheit und tuen nichts gegen die Folgen der Strahlung. Es wird lediglich überprüft wie sich die Gesundheit entwickelt. Man kann also sagen, die Menschen in Fukushima sind “Versuchskaninchen”.

Alles so schön bunt hier – Elektronikshop in Japan.

Wenn Ärzte sich anders verhalten, riskieren sie ihren Job. Bis vor kurzem war Sjuichi Yamashita der Chef der Medizinischen Universität — auch bekannt als Mr. 100Milisievert. Gegenüber dem Spiegel behauptet Herr Yamashita 100 Millisievert Strahlung pro Jahr währen kein Problem für Menschen. Zum Vergleich 0,3 Millisievert pro Jahr sind die normale Hintergrundstrahlung, 1 Millisievert pro Jahr ist das Maximum dem  Zivilpersonen und 20 Millisievert pro Jahr das Maximum dem Arbeiter in Atomanlagen in Deutschland ausgesetzt werden dürfen.

In der Nacht konnte ich kaum einschlafen. Als Tiegermann um 15 Uhr kam um mich abzuholen, schlief ich noch tief und fest. Dann ging es fix in einen Elektroladen ein Adapter für mein Laptop und Handyladegerät kaufen. Und eine japanische Handykarte. Furchtbar bunt so ein Laden in Japan! Zudem habe ich mich in einem Laden mit Lebensmitteln getraut und kam mit merkwürdigem Knabberkram und Bananen wieder raus.

Dann ging es zu Menschen von NAZEN — der Nationalkoferenz für die sofortige Abschaltung aller Atomanlagen weltweit. Dort waren wir zum Essen eingeladen und natürlich haben wir wieder viele kleine Geschenke ausgetauscht. Das Essen war großartig. Ein großes Buffet mit allerhand Sachen, die ich noch nie gegessen habe. Lotuswurzel mag ich sehr! Hier haben wir uns über kulturelle Hintergründe unterhalten — diesmal auf Englisch. Das ist ganz schön anstrengend, wenn du es nicht gewohnt bist.  Aber wir haben alle so gut es ging unser Englisch ausgereizt.

Das Friedensdenkmal "Atomic Bomb Dome" in Hiroshima.

Am nächsten Tag ging es dann nach los Richtung Hiroshima. Aufregend das erste mal Shinkansen fahren! Das ist der japanische ICE! Wir sind praktisch den ganzen Tag unterwegs gewesen. Wahnsinn — ich hatte praktisch das Gefühl die Häuser am Horizont hören nie auf!

Am Bahnhof in Hiroshima haben wir Kyoko Taniguchi getroffen. Wir diskutierten bei einem Kaffee meinen Vortrag für den morgigen Tag. Und natürlich wurden wieder kleine Geschenke ausgetauscht. Kyoko ist bei NAZEN organisiert. Danach ging es ins Hotel am Rande von Hiroshima. Dort Trafen wir Sascha Klinger. Er kommt aus Dresden und lebt seit vier Jahren in Miyasaki. Auch er ist in der japanischen Anti-Atombewegung aktiv. Sascha soll mir beim Übersetzen meines Vortrages helfen und hat mich netterweise nach Miyasaki eingeladen.

Am nächsten Tag haben wir uns in Hiroshima den Atomic Bomb Dome angesehen. Das ist ein Friedensdenkmal in Hiroshima und eine Gedenkstätte für den ersten kriegerischen Einsatz der Atombombe. Anschließend besuchten wir eine Versammlung von NAZEN, bei der ich einen Vortrag gehalten habe. Ich habe mich gefreut, dass mein Vortrag gut angekommen ist. Die Menschen im Saal haben energisch Beifall geklatscht. Aber mehr dazu später, es ist Mitternacht und wir müssen vor sechs Uhr in der Frühe aufstehen. Dann ist Jahrestag des Abwurfs der Atombombe über Hiroshima. Ich bin eingeladen, zwei kurze Reden zu halten.

Sayonara!

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