Protestaktion: Papierproduzent zerstört Kanadas letzte Urwälder

19. März 2014
By | Source: Greenpeace Blog

Es kann durchaus sein, dass wir beim Durchblättern unserer Tageszeitung kanadischen borealen Urwald in der Hand halten. Ob zu Hause oder in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit. Das ist nicht unbedingt im Sinne der Leser, wir haben jedoch kaum eine Chance, mehr über die Herkunft des Zeitungspapiers zu erfahren. Es steht schließlich nicht im Impressum, ob das Papier aus Urwaldzerstörung stammt. Es könnte sich zum Beispiel um Papier der kanadischen Firma Resolute Forest Products handeln, die auch den europäischen – und deutschen! – Markt beliefert. Für dessen Produktion zerstören Firmen wie Resolute die wertvollen Urwaldgebiete im Norden Kanadas.

Greenpeace-Aktivisten protestieren gegen Urwaldzerstörung

Aktivisten protestieren gegen Kanadas größtes Forstunternehmen "Resolute Forest Products" (c) Greenpeace Kanada

Aktivisten protestieren gegen Kanadas größtes Forstunternehmen "Resolute Forest Products" (c) Greenpeace Kanada

Was tun? Einerseits hilft es natürlich, wenn Verbraucher Papier sparen. Unsere Aktivisten wurden diese Woche direkt vor Ort aktiv und protestierten in Montreal gegen die Urwaldzerstörung in den kanadischen Provinzen Ontario und Quebec. Hier ist auch der Firmensitz von Resolute Forest Products – der größten Forstfirma Kanadas. Die Greeenpeace-Kletterer gestalteten ein Wahrzeichen der Region um in Form einer Justitia-Waage, dem Symbol für Gerechtigkeit (siehe Foto oben). Das Protestbild stellt die Unausgewogenheit zwischen der zerstörerischen Forstpraxis von Resolute und dem schutzlosen Urwald dar.  Greenpeace arbeitet seit Jahren gegen die Geschäftspraktiken von „Resolute“ an, denn das Unternehmen zählt zu denjenigen, die die Zerstörung schützenswerter Wälder maßgeblich vorantreiben. (Hintergrund-Papier zur Greenpeace-Kampagne gegen Resolute)  Solche Wälder wie die Urwälder der Weißen Berge, die mit über zwei Millionen Hektar einen der letzten großen zusammenhängenden Urwälder in Quebec darstellen. Der Wald liegt knapp 500 km nördlich von Montreal. Er ist eine wesentliche Heimat der seltenen Waldkaribus. Ihr Überleben ist von diesem Wald abhängig, sagt uns die Wissenschaft. Nur noch knapp 6.000 Tiere leben heute in verschiedenen Gruppen in Quebec, und der Urwald der Weißen Berge ist eines der Hauptgebiete für die Waldkaribus. Mir persönlich ist der Schutz der kanadischen Urwälder ein besonderes Anliegen, ich stehe regelmäßig mit meinen Kollegen dort im Austausch, mache mir auch zeitweise vor Ort selbst ein Bild von der Waldzerstörung und spreche mit Vertretern der First Nations. Denn der Wald ist auch wichtig für die Ureinwohner Kanadas,  die seit Jahrtausenden dort leben und ihn als wesentlichen Teil ihrer kulturellen Identität betrachten. Daher haben diese die Holzeinschläge im Wald bisher auch nicht genehmigt, sondern kämpfen stattdessen dagegen an.

Diffamierungsklage gegen Greenpeace

Doch Resolute kümmert der gemeinsame Protest von Ureinwohnern und Umweltaktivisten nicht. Das Unternehmen hat sogar eine 7-Millionen Dollar Klage gegen Greenpeace eröffnet, will uns damit mundtot machen und unsere Kritik am Vorgehen des Unternehmens verbieten lassen. Oder es uns unmöglich machen, über die Urwaldzerstörung in den Urwäldern zu reden. Hierzu wurde eine Klage aus dem Hut gezaubert, die nur als Diffamierungsklage bezeichnet werden kann. In einigen Provinzen Kanadas gibt es ein Gesetz gegen solche Art von Diffamierungsklagen, da sie für die Demokratie, freie Presse, Gewerkschaften, Menschenrechtsaktivisten und eben auch Umweltschützer organisationsgefährdend sind. Diese sogenannten strategischen Klagen gegen die öffentliche Beteiligung (SLAPP) sind zum Beispiel in Quebec verboten. Resolute hat  bewusst eine Provinz ohne solch ein Anti-SLAPP Gesetz ausgewählt, und einfach dort Klage gegen Greenpeace und zwei meiner Kollegen eingereicht. Jetzt möchte das Unternehmen solche Gesetzgebung sogar ganz zu Fall bringen. Im Ergebnis will nun keine nennenswerte Nichtregierungsorganisation mehr mit Resolute reden, denn jedes gesprochene Wort landet vermutlich vor Gericht. So kann man kaum die Probleme angehen, die auf dem Tisch liegen!
Greenpeace setzt sich hingegen mit einer Allianz von Umwelt- und Menschenrechtsgruppen dafür ein, dass in Ontario endlich auch so ein Gesetz gegen solche strategischen Diffamierungsklagen eingeführt wird.  Für die Demokratie, für freie Meinungsäußerung!

Die "Weißen Berge" in Quebec Kanada - eins der Hauptgebiete für die bedrohten Waldkaribus

Die "Weißen Berge" in Quebec Kanada – eins der Hauptgebiete für die bedrohten Waldkaribus

Bisher haben über 50.000 Menschen Resolute kontaktiert und das Unternehmen aufgefordert, sich endlich wieder um Lösungen zu kümmern und mit NGOs wie Greenpeace zusammenzuarbeiten. Auch aus Deutschland sind zahlreiche Postkarten an den Geschäftsführer von Resolute, Richard Garneau, gesendet worden. Sie fordern ihn auf, sich um Lösungen zu kümmern, die Urwaldzerstörung zu beenden und gemeinsam Schutzvorschläge zu erarbeiten. In British Columbia, an der Westküste Kanadas ist dies bereits erfolgreich gelungen. Dort hat Greenpeace und andere NGOs zusammen mit der Holz- und Papierindustrie einen gemeinsamen Schutzvorschlag sowie Vorschläge für eine ökologisch schonendere Waldwirtschaft jüngst an die Regierung der Provinz und der Regierung der First Nations übergeben. Dies sollte sich der Resolute-Geschäftsführer einmal ansehen, und sich fragen warum er zu solchen Maßnahmen nicht in der Lage ist. Verantwortungsvolles und zukunftsfähiges Handeln sieht anders aus!

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