Acht Uhr morgens im Stuttgarter Schlossgarten. Ohrenbetäubender Lärm hallt über die Fläche. Am ehemaligen Busbahnhof hackt ein Baufahrzeug die Asphaltdecke auf, andere karren hektisch Asphaltbrocken und Erdaushub weg. „Für die Dauer der Schlichtung ruhen die Bauarbeiten“ – wer hier lang geht und danach die Morgenzeitung aufschlägt, meint an einer Wahrnehmungsstörung zu leiden. „Ruhe“ ist ein frommer Wunsch an diesem regnerischen Samstagmorgen. Baulärm erfüllt Park und Bahnhofsgelände. Worte und Wirklichkeit stehen in einem gegenteiligen Bezug zueinander. „Grundwassermanagement“ ist auch so ein Wort. Gemeint ist die Absenkung des Grundwasserspiegels für den Tunnelbau. Man könnte auch sagen: Dem Park wird der Stöpsel gezogen, und dann vertrocknen die Bäume sowieso. Man muss es nur oft genug sagen, dann klingt „wegmachen“ wie „managen“, „reden“ wie „handeln“ – und ROBIN WOOD wie „Berufsdemonstranten“?
Die Bahn hat übrigens am Freitag letzter Woche Millionenen schwere Ausschreibungen für Tunnel, Schächte und Unterführungen gestartet. Alles ist soweit angeschoben, um bis Ende November einer „Friedenspflicht“ zu genügen, ohne einen Deut vom Bauplan abzurücken. Die Bahn ist ein öffentliches Unternehmen. Sie hat Verträge mit Stadt, Land und Bund.
Ich mache jetzt einen Vertrag mit mir selbst, dass ich eine Bank ausraube, und dann berufe ich mich darauf, dass wir immer noch in einem Rechtsstaat leben und Verträge eingehalten werden müssen.

