Lügentest nicht bestanden – Ein Industrielobbyist polemisiert gegen die Energiewende

7. August 2013
By | Source: Greenpeace Blog

Kritik an der deutschen Energiewende ist gerade schwer in Mode. Dabei nehmen es die Kritiker mit den Fakten nicht immer so genau. Einen neuen Höhepunkt in der Diffamierung und Polemik hat nun Dieter Ameling, Ex-Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl sowie Ex-Vorsitzender des Stahlinstitut VDEh und inzwischen „Industrieberater“, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 7. August geliefert. Seine Argumentation ist dabei so substanzlos wie unrichtig.

Zu Beginn gibt sich Ameling als waschechter Klimaleugner. Da sich die globale Mitteltemperatur seit dem warmen El-Nino-Jahr 1998 auf einem hohen Plateau stabilisiert hat, behauptet er, eine Erderwärmung finde seit 15 Jahren nicht mehr statt. Darum müsse man die CO2-Emissionen auch nicht mehr reduzieren, schlussfolgert Ameling daraus. Er bezieht sich dabei auf ein Interview im Spiegel von Hans von Storch, einem Mathematiker und Meteorologen, der der etablierten Klimawissenschaft skeptisch gegenüber steht. Allerdings hat Kronzeuge von Storch Amelings Fazit im gleichen Spiegel-Interview bereits widersprochen: „Mir ist unterstellt worden, ich würde eine Verringerung der Treibhausgase für überflüssig halten. Das ist nicht der Fall.“

Damit löst sich Amelings Eingangsanalyse bei näherer Betrachtung in Luft auf. Der Industrielobbyist fordert aber natürlich Konsequenzen der Politik. Unter anderem verlangt er ein sofortiges Ende des Ausbaus Erneuerbarer Energien, schließlich seien sie wahre Strompreistreiber. Abgesehen davon, dass Wind- und Solaranlagen inzwischen so günstig sind, dass sie kaum noch zur Steigerung der EEG-Umlage beitragen — wie eine Greenpeace-Studie längst bewiesen hat, vergisst Ameling auch alle volkswirtschaftlichen Vorteile der Energiewende. Diese hat inzwischen für rund 400.000 neue und zukunftsfähige Jobs gesorgt. Zudem steigerten deutsche Unternehmen allein im Jahr 2011 ihren Umsatz durch die Energiewende um rund 25 Milliarden Euro, Umweltschäden in Höhe von mehr als zehn Milliarden Euro und Energieträgerimporte von etwa sieben Milliarden Euro wurden vermieden sowie Wertschöpfung in den Kommunen in Höhe von rund neun Milliarden Euro generiert.

Die Panikmache vor einer drohende Deindustrialisierung Deutschlands darf auch beim „Industrieberater“ Ameling nicht fehlen. Angeblich leide vor allem die energieintensive Großindustrie unter den Folgen der Energiewende. Die Wettbewerbsfähigkeit der Großverbraucher sei wegen der Strompreise in Deutschland „höchst gefährdet“. Dabei dürften sich die Stahlwerksbetreiber in Wahrheit jeden Tag aus Dankbarkeit in den Armen liegen. Denn der Ausbau der Erneuerbaren lässt deren Strompreis an der Börse massiv sinken. Inzwischen liegt dieser bei rund 4,5 Cent pro Kilowattstunde und damit im internationalen Vergleich etwa auf dem Niveau der USA. Gleichzeitig hat die Bundesregierung die Industrie durch Privilegien beim Strompreis von den Investitionskosten der Energiewende verschont. Eine aktuelle Studie des Öko-Instituts weist etwa nach, dass Deutschland im Vergleich mit den europäischen Nachbarländern bezüglich der Industriestrompreise in den letzten Jahren wettbewerbsfähiger geworden ist.

Diese überbordenden Industrieprivilegien sind europaweit stark in der Kritik, die Politik diskutiert über eine Reduzierung. Ein Schelm, wer nun denkt, dem früheren Stahl-Lobbyisten Ameling ginge es wohl darum, die Politiker von der Kürzung der Subventionen abzuhalten.

Mit seiner Polemik schadet Ameling dem Standort Deutschland. Inzwischen sind Erneuerbare Energien so günstig wie nie – auch dank der deutschen Energiewende. Wer nun den Ausbau der Erneuerbaren stoppen will, bringt die Volkswirtschaft um die verdienten Erträge dieses gesamtgesellschaftlichen Großprojekts.

Autor: Tobias Austrup

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