Krieg in Syrien angeheizt durch den Klimawandel

15. September 2013
By | Source: Greenpeace Blog

In Syrien herrscht Krieg. Die UN-Menschenrechts-Inspektoren berichten von immer schlimmeren Kriegsverbrechen. Ein unerbittlicher Kampf. Und wie in jedem Krieg leidet die Zivilbevölkerung am meisten.

Grafik: Entwicklung der Winterniederschläge im Mittelmeerraum im Zeitraum 1902-2010

Grafik: Entwicklung der Winterniederschläge im Mittelmeerraum im Zeitraum 1902-2010

Die Kriegsursachen sind vielfältig. Doch zu den Hintergründen gibt es einen Mosaikstein, von dem kaum jemand Notiz nimmt: Der Klimawandel. In Syrien herrschen seit Jahren extreme Dürren. Vor allem der Nordosten des Landes, der für 75 Prozent der gesamten Produktion von Weizen in Syrien verantwortlich ist, war vom Ausbleiben von Regenfällen betroffen. Der Global Assessment Report on Disaster Risk Reduction von 2011 stellt fest, dass seit dem Beginn der Dürre, 75 Prozent der von der Landwirtschaft abhängigen Haushalte im Nordosten des Landes eine Missernte erlitten haben. 2-3 Millionen Menschen fielen in der Folge in extreme Armut.

Diese Katastrophe ist das Ergebnis einer Reihe von Faktoren. Die durch den Klimawandel eingetretene Dürre wird verstärkt durch eine Misswirtschaft, darunter die Übernutzung des Grundwassers. So flossen massive Subventionen in den Anbau von Wasser durstigen Nutzpflanzen wie Baumwolle und Weizen, ineffiziente Bewässerungssysteme und Überweidung verschärften die Probleme. Die Dürre hat zu einer Flucht von Hunderttausenden von Menschen aus ländlichen in städtische Gebiete geführt. Syriens Städte waren bereits unter wirtschaftlichen Druck, zum Teil wegen des großen Zustroms von Flüchtlingen aus dem Irak nach der US-Invasion im Jahr 2003.

Grafik: Die roten und orangen Flächen markieren die Regionen rund um das Mittelmeer, die deutlich trockenere Winter während 1971-2010 als im Vergleichszeitraum von 1902-2010 erlebten. (Quelle und Bildnachweis: NOAA http://www.noaanews.noaa.gov/stories2011/20111027_drought.html)

Grafik: Die roten und orangen Flächen markieren die Regionen rund um das Mittelmeer, die deutlich trockenere Winter während 1971-2010 als im Vergleichszeitraum von 1902-2010 erlebten.

Eine wachsende Zahl von mittellosen Menschen befindet sich in einem existenziellen Wettbewerb um knappe Arbeitsplätze und um den Zugang zu Ressourcen. Tatsächlich war die Stadt Deraa, die von jahrelangen Dürren und Wasserknappheit besonders hart getroffen war und wenig Unterstützung vom al-Assad-Regime erhielt, die zentrale Anlaufstelle für Proteste in den frühen Stadien der Oppositionsbewegung.

Der renommierte amerikanische Umweltwissenschaftler und Wasserexperte Peter Gleick sieht einen direkten Zusammenhang zwischen den klimabedingten Dürren und der Wasserknappheit in Syrien und kommt zum Fazit:

And we need to stop assuming that our political stability is independent of what we do to our atmosphere or our water. It isn’t.

Übersetzt: „Und wir müssen mit der Grundannahme aufhören, dass unsere politische Stabilität unabhängig von dem ist, was wir mit unserer Atmosphäre oder unserem Wasser tun. So ist es eben nicht.“

Doch die Ursachenkette hört hier nicht auf. Wenn der Bürgerkrieg in Syrien Folge der klimabedingten Dürren in der Region ist, dann sind es eben auch die Treibhausgase, die wir hier ausstoßen, die den Klimawandel anheizen. Und damit sind es eben auch die Millionen Tonnen CO2 die RWE und Vattenfall aus den Schloten ihrer Kohlekraftwerke heute und in Zukunft in die Luft pusten werden, die letztendlich auch die Dürren in Syrien verschärfen. CO2 tötet, auch in Syrien!

13.06.206: Greenpeace-Projektion am RWE-Kraftwerk Neurath ©Bernd Arnold/Greenpeace

Natürlich höre ich schon die Gegenargumente, es lässt sich nicht allein auf den Klimawandel zurückführen, es gibt keinen direkten Zusammenhang, CO2 ist nicht der Auslöser, es spielen noch andere Faktoren eine Rolle. Ja natürlich, aber ohne die klimabedingten Dürren zu nennen, fehlt ein wesentlicher Mosaikstein in dem Erklärungsmuster. Und wenn wir an zukünftige Lösungen im Syrienkonflikt und in der Region denken, nach Perspektiven für die dort lebenden Menschen suchen, dann kommen wir an der Frage der Wasserknappheit und klimabedingten Zunahme von Dürren nicht vorbei.

(Quelle und Bildnachweis der Grafiken: NOAA http://www.noaanews.noaa.gov/stories2011/20111027_drought.html)

Tags: