Jan Maria: “Zweifelsfreie Verstöße nicht festgestellt”

6. November 2013
By | Source: Greenpeace Blog

Der Supertrawler "Jan Maria" in IJmuiden, Niederlande.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Ein Seemann wird Zeuge wie auf einem deutschen Supertrawler im großen Stil Speisefisch weggeworfen werden. Er kopiert das geheime Logbuch des verantwortlichen Kapitäns, überreicht es den Behörden zusammen mit seiner Zeugenaussage. Das geheime Fangtagebuch zeigt: Allein bei einer der vier dokumentierten Fangreisen sind mehr als 1,6 Millionen Kilogramm Hering weggeschmissen worden.

Die Behörden brauchen fast zehn Monate, um den Fall zu untersuchen. Am Ende kommt eine geringe Strafe gegen den Kapitän heraus. Millionen Kilo Speisefisch wegzuschmeißen, kostet nur ein paar Tausend Euro. Das bezahlt die Reederei vermutlich aus der kleinen Portokasse.

So geschehen im Fall des Supertrawlers “Jan Maria”, einem Fischereimonster ersten Grades. Die Praktiken auf dem Trawler waren auch Anlass mehrerer Fernsehberichte, u.a. von Frontal 21 und dem niederländischen TV-Format “Zembla”.

Die Presseerklärung der zuständigen Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) liest sich fast wie eine Entschuldigung, “zweifelsfreie Verstöße der Reederei konnten nicht festgestellt werden”. Wie bitte?

Was braucht es eigentlich noch? Neben einem offensichtlich geheimen Logbuch mit eindeutigen Fangmengen lag ein offizielles Logbuch vor. Die dokumentierte offizielle Fangmenge wich massiv von der des geheimen Logbuchs ab. Zusätzlich sagte der ehemalige nautische Offizier gegen die Reederei aus.

Zurzeit steht noch nicht fest, worin die “Verstöße gegen Dokumentationspflichten des Kapitäns” im Detail bestanden haben. Sicher ist allerdings, dass die Entscheidung der BLE ein klares Signal an die Eigner ist: genauso weitermachen wie bisher! Fischen was das Zeug hält, aussortieren und wegschmeißen, was nicht passt. Es wäre zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre.

Zum Hintergrund:
Ein Augenzeuge belastet die “Jan Maria”, einen deutscher Supertrawler, auf einer rund dreiwöchigen Tour mindestens 1,5 Millionen Kilogramm Hering weggeschmissen zu haben, um an Bord Platz für höherpreisigen Fisch zu schaffen. Diese illegale Praxis nennt sich “Highgrading”.

Bei der “Jan Maria” handelt es sich um ein Schiff der Doggerbank Seefischerei GmbH. Diese ist wiederum eine hundertprozentige Tochterfirma der niederländischen Reederei “Parlevliet & van der Plas”. Gegen die umweltfeindlichen Praktiken der Reederei hat Greenpeace bereits mehrfach protestiert — zuletzt erfolgreich im Fall des Supertrawlers “Abel Tasman”. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung untersuchte als zuständige Behörde die Vorwürfe. Mehr zu den Highgrading-Vorwürfen der Jan Maria in unserem Blog.

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