Heute vor genau fünf Jahren, am 2. August 2007, setzte ein U-Boot angeblich eine russische Fahne auf dem Meeresboden über dem geografischen Nordpol ab, um den Gebietsanspruch Russlands deutlich zu machen. Vielleicht erinnern sich einige von euch an die Bilder, die damals um die Welt gingen: eine kleine Fahne aus Titan im etwas trüben Wasser. Angeblich wurde dieses Bild in über 4.000 Meter Tiefe aufgenommen. Die Russen behaupten, wie jetzt übrigens die Dänen, das Gebiet um den Nordpol sei über eine im Meer liegende Erhebung, den Lomonossow Rücken, mit ihrem Festland verbunden.
Damals schien mir das alles trotz der Prognosen zur Eisschmelze und der damit verbundenen Meldung, Rohstoffe seien einfacher abbaubar, als absurdes Theater. Heute bringt mich der bittere Ernst hinter dieser Aktion zur Weißglut.
Nicht nur, das die Eisschmelze noch schneller vorangegangen ist, als es damals vorausgesagt wurde: Inzwischen haben etliche Großkonzerne, damit angefangen, in der Arktis nach Öl zu bohren. Neben den bekannteren Shell und BP, welche vor Alaska bohren, bohrt auch die russische Gazprom in der südlichen Barentsee, der Petschorasee.
Ölförderung in der Arktis kann schlimme Folgen für die Umwelt haben
Falls es zum Austritt von Öl kommt – und das ist in der Kälte, mit treibenden Eisbergen und meterdicken Vereisungen im Winter gar nicht so unwahrscheinlich – kann niemand hier irgendetwas säubern. Nicht nur, dass sich Schadstoffe bei Kälte langsamer zersetzen als im Warmen, es gibt in dieser weitab gelegenen Region auch einfach keinerlei Infrastruktur, die im Unglücksfall nutzbar wäre. Keine anderen Schiffe, keine Helfer, die Öl zumindest teilweise aus Brutgebieten der dort lebenden Tieren wegbringen könnten. Nichts.
Die Plattform, welche Gazprom dort hat hinschleppen lassen, ist eine alte, umgebaute Nordsee-Ölplattform. Dort sollte schon lange anfangen werden zu bohren. Aber immer noch gibt es massive Probleme, so dass der Zeitplan immer weiter nach hinten geschoben wird. Gazprom, einer der größter Energiekonzerne weltweit, ist offensichtlich nicht in der Lage, solch ein schwieriges Projekt zu stemmen. Im November 2011 sind auf einer anderen Ölplattform von Gazprom im Ochotskischen Meer 67 Menschen zu Tode gekommen.
In Deutschland ist Gazprom hauptsächlich wegen der massiven deutschen Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen, dem Sponsoring von Schalke 04, den Geschäftsverbindungen mit dem ehemaligen Kanzler Schröder und der — zumindest vermuteten — massiven Korruption bekannt. Dass dieser „Laden“ überhaupt solche riskanten Unternehmungen durchführen darf, ist für mich unverständlich. Die Arktis gehört der gesamten Menschheit, keinem einzelnen Staat. Eine gefährliche und umweltzerstörerische Industrialisierung, wie sie gerade stattfindet, muss verhindert werden, indem die UNO dort ein Schutzgebiet einrichtet wie es auch in der Antarktis gilt.

