IAA: Autoindustrie steuert ziellos in die Zukunft

10. September 2013
By | Source: Greenpeace Blog

Die Autoindustrie hat ein Problem: Sie will das Auto attraktiv halten, aber sie weiß nicht wie.
So ist es kein Wunder, dass die diesjährige Internationale Automobilausstellung (IAA) ohne klaren Schwerpunkt dasteht. Waren frühere IAA mal die Show der Elektromobilität oder auch mal die “grüne” IAA, so gibt es diesmal nichts, was man als Leitmotiv ausmachen könnte.

Wolfgang Lohbeck (c) Axel Kirchhof/Greenpeace

Der “Hype” ums Elektroauto hat sich von selbst erledigt. Die angeblich hohen Erwartungen an die ökologischen Segnungen der Vollelektrifizierung (und die Kundennachfrage) sind einem nüchternen Pragmatismus gewichen- der elektrische Antrieb hält seinen Einzug jetzt eine Nummer kleiner: in den diversen Hybridvarianten. Das Elektroauto als der grosse Hoffnungsträger ist ( beinahe) tot. Einzig der i3 von BMW hält die Fahne des rein batterieelektrischen Fahrens hoch. Dazu gleich mehr.

Die Autoindustrie kämpft an vielen Fronten. Die bedrohlichste ist die schwindende Attraktivität ihres eigentlichen Produkts. Immer mehr Menschen erkennen, dass sie eigentlich kein eigenes Auto brauchen, das doch nur 23 Stunden am Tag herumsteht und eher eine Belastung ist. Nicht umsonst versuchen deshalb die Autohersteller sich — notgedrungen — an die Spitze der Bewegung zu setzen. Sie gründen ihre eigenen Mobiliätsdienstleister wie car2go von Daimler oder driveNow von BMW. Verglichen mit diesem bedrohlichen Trend des Liebesentzugs sind die ungelösten Fragen des zukünftigen Antriebs fast schon nebensächlich.

Einige Trends lassen sich dennoch ablesen: eine immer stärker werdende SUVsierung des Marktes. SUV gibt es inzwischen nicht mehr nur als agggressive Dominanzbullen. Auch kleine und kleinste Autos wachsen in die Höhe, umgeben sich mit ein bißchen pseudo-rustikalem Plastik und kommen als Mini- Geländewagen daher. Das sieht beeindruckend aus und lässt sich gegen gutes Geld in großen Stückzahlen absetzen. Und dort, wo schiere Größe an eine natürliche — oder von der Strassenverkehrsordnung gesetzte- Grenze stößt, wird das Design noch aufgeblasener und exaltierter. 

Der andere ist die Überfrachtung des Autos mit IT, Infotainment und Assistenzsystemen, die aber in ihrer schieren Zahl eher verwirren als Freude am Fahren erzeugen dürften. Was am Autofahren Spass macht, ist eben — wenn überhaupt — das Fahren an sich. Und nicht das Bedienen von IT- Systemen im stets aggressiver werdenden Strassenverkehr.

Der i3 schliesslich, ein Produkt aus der Zeit des Elektro-”Hype” (ebenso wie E- Golf und E-up) bestreitet seinen Auftritt als Technik-Pionier und early-mover.
Das kann ihm auch gelingen, wenn auch nur in seinem spezifischen  Kundensegment. Einer Klientel, die bereit ist, auch für geringeren Gebrauchsnutzen mehr Geld auszugeben. Motto: Hauptsache cool! Natürlich verdient die Entwicklung des i3 Respekt. BMW gelingt mit ihm eine große technische Innovation und beweist unternehmerischen Mut.  Ansonsten ist auch der i3nichts weiter als ein Elektroauto und löst keines unserer Probleme. Es produziert -mit herkömmlichem Strom- nahezu genausoviel CO2 wie ein moderner Verbrenner. Und das Potential zu einem “Abschied vom Öl”  in großem Stil hat ein Elektroauto angesichts des auf lange Sicht miserablen Preis- Leistungsverhältnisses nicht.

So bleibt, angesichts der vielfältigen Unsicherheiten, der Autoindustrie diesmal auf der IAA nur übrig, aus der Not eine Tugend zu machen. Die Unsicherheiten werden verdeckt. Hinter der Ankündigung des VDA-Präsidenten Wissmann, in Frankfurt ein Feuerwerk von Neuheiten zu zünden, glaubt man, das Pfeiffen im dunklen Wald zu hören.

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