Fundbüro: Pressestatement von Procter & Gamble

12. März 2014
By | Source: Greenpeace Blog
Screenshot vom P&G-Statement

Screenshot vom P&G-Statement

Ich bin etwas irritiert: Noch vor wenigen Tagen veröffentlichte Procter & Gamble unter diesem Link ein Statement zu einem neuen Greenpeace-Report, der dem Konzern vorwirft, Palmöl aus Regenwaldzerstörung zu verwenden.

Und nun? Ist der Link defekt? Ein zusätzlicher Blick in den internationalen P&G-Newsroom – nichts!
Wo ist das Statement geblieben? Ein Kollege mutmaßte bereits, es werde wohl gerade durch den Weichspülgang gezogen und man dürfe gespannt sein, was P&G danach aus der Trommel zieht. Oder überlegt man in der Führungsetage von Procter & Gamble tatsächlich gerade, inhaltlich nachzubessern?

Das sei natürlich erlaubt – nur bitte nicht zu lange, denn die Zeit rennt: Täglich werden vier Quadratkilometer Regenwald nur für die Produktion von Palmöl vernichtet. Vielleicht ist man bei P&G auch nur versehentlich auf die Löschtaste gekommen? Macht nichts, wir haben natürlich alles gespeichert und geben Procter & Gamble den Text gerne wieder zurück, sogar mit Anmerkungen:

Das sagt(e) P&G:

Procter & Gamble setzt auf nachhaltige Beschaffung von Palmöl.

Greenpeace merkt an: Das ist aktuell nicht korrekt. Das zeigen die Greenpeace-Recherchen der letzten zwölf Monate. Der daraus entstandene Report belegt anhand von zehn Fallbeispielen, dass Lieferanten von Procter & Gamble in Regenwaldzerstörung verwickelt sind. Eine nachhaltige Produktion von Palmöl sieht anders aus.

Das sagt(e) P&G:

Wir sind Mitglieder beim Runden Tisch für Nachhaltiges Palmöl (RSPO).

Greenpeace merkt an: Eine Mitgliedschaft in dieser Organisation, in der sich zum größten Teil die Palmölindustrie tummelt, ist kein Argument für eine nachhaltige Palmölpolitik. Alle Fälle von Vernichtung von Orang-Utan-Habitaten, die wir dokumentiert haben, fanden auf Plantagen von RSPO-Mitgliedern statt. Wie kann das nachhaltig sein? P&G sollte sich über die RSPO-Mitgliedschaft hinaus selbst strenge Regeln setzen, eine Null-Entwaldungs-Policy erarbeiten und einhalten. Andere große Palmölabnehmer wie Nestlé, Unilever, Mars und L’Oreal haben sich dazu bereits verpflichtet – das Gleiche sollte auch P&G tun.

Das sagt(e) P&G:

… wir unterstützen die RSPO-Kriterien für nachhaltige Palmölproduktion und nehmen an der Arbeitsgruppe zum Thema nachhaltige Palmölderivate teil.

Greenpeace merkt an: Die RSPO-Kriterien kritisieren wir generell als zu schwach. Greenpeace hat bereits zahlreiche Vergehen von RSPO-Mitgliedern nachgewiesen. Procter & Gamble nimmt jährlich rund 460.000 Tonnen Palm- und Palmkernöl ab. Weniger als zehn Prozent stammen dabei aus RSPO-Zertifizierung. Zudem setzt P&G dabei ausschließlich auf Zertifikatehandel und Massenbilanz, so dass nicht nachvollzogen werden kann, von welchen Plantagen das Palmöl stammt. Procter & Gamble kann also nicht ausschließen, dass schmutziges Palm-, Palmkernöl und dessen Derivate in seinen Produkten landen.

Das sagt(e) P&G:

Wir haben öffentlich verkündet, dass bis zum Jahr 2015 hundert Prozent aller Palmöleinkäufe, die wir machen, aus nachhaltigen Quellen kommen und wir arbeiten mit unseren Zulieferern, um sicherzustellen, dass wir dieses Versprechen erfüllen.

Greenpeace merkt an: Seit etwa sieben Jahren fordern wir von Procter & Gamble, sich mit der Herkunft des von ihnen verwendeten Palmöls auseinanderzusetzen. Doch der Konzern redet weiterhin nur davon, seine Lieferkette genauer unter die Lupe nehmen zu wollen. Auf konkrete Taten warten wir bisher vergeblich. Und bei Nachhaltigkeit allein auf den RSPO zu setzen, greift zu kurz: Greenpeace hat mehrfach nachgewiesen, dass auch RSPO Mitglieder Wald roden und Torfmoore trockenlegen. Die Verbraucher wollen keine Mitschuld an Regenwaldzerstörung tragen, nur weil sie P&G-Produkte benutzen. Auf denen für den Käufer in der Regel auch nicht zu erkennen ist, ob Palmöl enthalten ist.

Das sagt(e) P&G:

Wir sind absolut gegen die unverantwortliche Entwaldungspraxis und nehmen jeden Vorwurf unangemessenen Verhaltens unserer Zulieferer sehr ernst. Wir werden alle Vorwürfe untersuchen, um sicherzustellen, dass unsere Politik zu einer verantwortlichen und nachhaltigen Herkunft von Palmöl eingehalten wurde und weiterhin wird.

Greenpeace merkt an: Greenpeace hat Procter & Gamble klar gezeigt, dass das Problem nicht nur vereinzelte Zulieferer sind, sondern die P&G-Einkaufspolitik, die schmutziges Palmöl bisher nicht konsequent ausschließt. Daher muss der Konzern seine Definition von nachhaltigem Palmöl überarbeiten. Über 90 Prozent stammen von Zulieferern, die kaum identifizierbar sind. Auch die restlichen zehn Prozent RSPO-zertifiziertes Palmöl garantieren keine Nachhaltigkeit. P&G braucht eine umfassende Null-Entwaldungs-Strategie, die sicherstellt, dass Produkte des Konzerns nicht mit der Zerstörung von Wäldern in Verbindung stehen.

Wir sind gespannt auf die überarbeitete Version. Dürfen wir vielleicht auf etwas mehr Einsicht hoffen und ein Bekenntnis des Konzerns, seine Lieferkette aufzuräumen und Palmöl aus Regenwaldzerstörung aus seinen Produkten zu verbannen? Wir werden sehen…

Alle Infos zur Greenpeace-Kampagne für sauberes Palmöl findet ihr hier. Wenn ihr Procter & Gamble persönlich auffordern möchtet, Waldschutz ernst zu nehmen, dann unterschreibt und teilt unsere Email-Aktion.

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