Im Internet hat sich der Himmel verdüstert: Nonstop und überall ist von der “Cloud” oder vom “Cloud Computing” die Rede. Mal kurz der Versuch einer Definition: Die Cloud ist in erster Linie ein externalisierter Speicherort, Nutzer müssen immer weniger Daten und Programme auf ihren lokalen Festplatten abspeichern, sondern können diese bequem ins Internet — bzw. die “Cloud” — auslagern: Man nutzt Streaming-Dienste für Musik (grooveshark) oder Filme (youtube), Webmail-Anbieter (gmx, web.de etc.), daneben noch unzählige Business-Anwendungen und und und. (Der Tablet-PC mit seinem vergleichsweise geringen internen Speicher ist sozusagen ein technologischer Spross der Cloud.) Die Bezeichnung “Cloud” passt, weil die Cloud omnipräsent ist wie ein Nebel, der die Welt bis ins letzte Zipfelchen durchdringt — vom heimischen Wohnzimmer bis ins Internet-Cafe in Nairobi.
Das soziale Netzwerk Facebook ist eine ziemlich große Nummer in der Cloud. Und die Server von Facebook benötigen ziemlich viel Strom. Dementsprechend wichtig ist es, dass Facebook seine Größe für die “Energy revolution” einsetzt: die Stromversorgung mit Erneuerbaren. Um Facebook zu einem klaren Bekenntnis pro Erneuerbare und zu entsprechenden Handlungen zu bewegen, startete Greenpeace vor etwa zwei Jahren die “Unfriend Coal”-Kampagne — natürlich auch auf Facebook. Die zentrale Forderung: Facebook muss seine Rechenzentren mit Strom aus sauberen Energiequellen versorgen und die Finger von dreckigen fossilen Energieträgern lassen. 700.000 Online-Aktivisten haben sich der “Unfriend Coal”-Kampagne angeschlossen und die Forderung unterstützt.
Die Kampagne hat jetzt Erfolg: Greenpeace und Facebook haben heute eine Zusammenarbeit zur Förderung der Erneuerbaren Energien in und um die Cloud herum angekündigt. Die NGO und das Unternehmen wollen Energieversorger dazu bringen, stärker auf Erneuerbare zu setzen und Programme entwickeln, mit denen auch die Nutzer von Facebook Energie sparen können. Facebook hat eine Reihe von Maßnahmen angekündigt, die die Weichen in Richtung einer Versorgung der Seite mit 100 Prozent Erneuerbaren stellen sollen:
- Infrastrukturelle Entscheidungen sollen die Versorgung neuer Standorte (Server, Rechenzentren) mit sauberen Energieträgern gewährleisten.
- Facebook ist am “Open Compute Project” beteiligt, das effiziente Server, Speicher und Rechenzentren entwickelt und Technologien öffentlich verfügbar macht. Greenpeace wird das Projekt unterstützen.
- Über einen ständigen Dialog mit den Energieversorgern, die Facebooks Rechenzentren mit Strom versorgen, soll der Anteil der Erneuerbaren an der Stromversorgung erhöht werden.
[Die gemeinsame Erklärung (auf Englisch) gibt es hier].
Natürlich wabert die Cloud nicht gestaltlos durch die Luft, sondern materialisiert sich in Form zentnerschwerer Server und Rechenzentren, die jede Menge Strom brauchen. Wäre die Cloud ein Land, dann hätte sie es in einem Ranking der größten Stromverbraucher bereits 2007 auf Platz fünf geschafft. Bis 2020 wird die Cloud ihre Größe vermutlich verdreifachen — und es dann auf einen Energieverbrauch von etwa 1,963 Milliarden Kilowattstunden bringen — mehr als Frankreich, Deutschland, Kanada und Brasilien zusammen. Die Cloud steckt also voller Elektrizität, sie ist eine sich rasch ausdehnende, riesige Gewitterwolke.
2010 hat Greenpeace den Report “Make IT Green: Cloud computing and its contribution to climate change” herausgegen. Der Report gibt Aufschluss über die Klimabilanz der Cloud. Die Verantwortung der IT-Branche beschränkt sich jedoch nicht allein auf die Ökostromversorgung der Cloud (bzw. der Clouds). Die IT-Branche kann auch in einem größerem Rahmen zu mehr Energieeffizienz und einer stärkeren Verbreitung Erneuerbarer Energien beitragen. Die Branche hat in ihrer “SMART 2020“-Studie selbst dargelegt, wie sie CO2-Emissionen der Gesamtwirtschaft um fast acht Gigatonnen reduzieren könnte. Mit dem “Cool IT Leaderboard” bewertet Greenpeace seit 2009 die Energie- und Klimabilanzen von IT-Unternehmen (die fünfte Ausgabe wird im Februar 2012 erscheinen).
“Facebooks Bekenntnis zu den Erneuerbaren legt die Messlatte für andere IT- und “Cloud Computing”-Firmen wie Apple, IBM, Microsoft und Twitter höher”, so Casey Harrell, der für Greenpeace International als IT-Analyst arbeitet. “Die Cloud muss grüner werden: Greenpeace wird weiterhin ein wachsames Auge darauf haben.”


