Blogreihe zur havarierten Gas-Plattform in der Nordsee. Die derzeitige Position des Schiffes wird auf dieser Karte angezeigt.
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“Wenn diese Sauerei im Hamburger Hafen passiert wäre, dann säße der Kapitän bereits im Knast!” Flo, Ben und Michi sind sich sofort einig, als sie den großen Ölteppich sehen, der von der Elgin-Plattform langsam zu uns herübertreibt. Ben, der Bootsmann, fügt hinzu: “Soviel Geld kannst Du im Jahr gar nicht verdienen, wie du dafür an Strafe zahlen müsstest.” Michi, der erste Offizier der “Koningin Juliana” und Flo nicken und machen sich wieder an die Arbeit. Wir sind buchstäblich mitten in den Folgen des Gasunfalls der Elgin-Plattform angekommen und sehen das Desaster mit eigenen Augen.
Das Öl treibt an der Oberfläche der Nordsee. Es ist ein feiner Ölfilm, der mit gelben butterartigen Flocken durchsetzt ist. Von diesen Flocken war in den Mitteilungen des Ölkonzerns Total bisher keine Rede und ich bin gespannt, was die Analysen an Land ergeben werden. Das Labor wird außerdem fünf Säcke mit Luft bekommen, die wir am morgen im Lee der Plattform gefüllt haben. Jeder Sack ist mit Uhrzeit und genauer Position der Probennahme beschriftet, so dass sich anschließend hoffentlich Rückschlüsse auf die Größe der Gaswolke ziehen lassen, die von der Plattform zu uns herüberweht.
Bei der Entnahme der Wasserproben an der Sperrzone der Gasplattform Elgin – (c) Jörg Modrow / Greenpeace
Der Ölteppich, in dem wir liegen, ist wirklich eklig. Es ist von See aus nur schwer möglich, die genaue Größe zu schätzen. Da wir uns auf der windabgewandten Seite der Plattform außerhalb der Sicherheitszone befinden, muss der Teppich aber mindestens drei Seemeilen lang sein. Seit einer halben Stunde ist jetzt auch eines unserer Schlauchboot im Wasser, um weitere Proben einzusammeln. Sobald das Boot wieder an Deck ist, werden wir der Sicherheitszone entlang die Plattform umrunden. Dabei wollen wir weitere Aufnahmen mit der Infrarotkamera machen. Von der Seite lässt sich dann vielleicht auch sehen, wie weit die Gaswolke reicht. Noch haben wir einen halben Tag, um uns hier vor Ort einen Überblick zu verschaffen. Zeit, die wir bestmöglich nutzen wollen.
Ach, eins noch, entweder ist das Wetter besser geworden, oder wir haben uns allmählich an das Rollen und Stampfen des Schiffes gewöhnt. So oder so haben sich die meisten Journalisten und Campaigner wieder einigermaßen erholt. Ganz sicher liegt dies aber nicht an dem leichten Ölgeruch, der hier über allem schwebt. Darauf könnten wir gut verzichten.


