Die billige Masche der Discounter – Gentechnik im Geflügelfutter

13. März 2014
By | Source: Greenpeace Blog

Sojaschoten

„Also, da können wir nichts machen, der Zentralverband der deutschen Geflügelwirtschaft sagt, dass sie nicht genug gentechnikfreies Soja für die Fütterung ihrer Tiere bekommen.“ So oder so ähnlich klingt aus den Zentralen einiger deutscher Supermarktketten in diesen Tagen.

Aha? Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel –  allen voran die Discounter Aldi und Lidl — senkt erneut die bereits viel zu niedrigen Preise für Geflügelfleisch und ergibt sich mehr oder weniger ungeprüft den Aussagen der Geflügelindustrie.

Aber gentechnikfreies Soja ist vorhanden. Und zwar in ausreichender Menge. Der brasilianischen Verband der Produzenten gentechnikfreier Soja (ABRANGE) sagt dazu: „Die brasilianischen Landwirte produzieren im Vergleich zur Vorsaison zehn Prozent mehr konventionelle Soja. Für den größten sojaproduzierenden Bundesstaat Mato Grosso liegen die Ernteprognosen sogar bei einer Steigerung von 50 Prozent.“

Gentechnikfrei hat seinen Preis. Nur drei bis acht Cent mehr pro Hähnchen kostet es, auf gentechnisch veränderte Soja in der Fütterung zu verzichten. Nicht viel, um den niedrigen Standard in der Geflügelbranche ein wenig anzuheben. Aber stattdessen gehen Aldi, Lidl und Co sieben Prozent mit den Preisen runter und unterstützen so den Anbau von Gen-Soja.

Und, wenn die Geflügelindustrie in Zukunft sagen würde, „Ab jetzt gibt es nur noch Chlorhähnchen“, dann macht der Handel das auch mit?

Wahrscheinlich. Denn weder hoher Antibiotikaeinsatz, überzüchtete Rassen, unzumutbare Stall-Neubauten noch schlechte Haltungsbedingungen haben den Großteil der deutschen Supermärkte in der Vergangenheit dazu bewogen, ihre marktbestimmende Position zu nutzen und eine für Mensch, Tier und Umwelt verantwortungsvolle Produktionsweise nicht nur einzufordern, sondern als Standard festzulegen. Die Realität sieht anders aus. Die Geflügelindustrie produziert munter weiter. Billig-Fleisch gibt es im Überfluss. Billig-Fleisch ist ein deutscher Exportschlager.

Natürlich gibt es auch im Einzelhandel Bestrebungen „grüner“ zu werden, natürlich spielt das Wort Nachhaltigkeit auch hier in den Marketingabteilungen eine große Rolle. Immerhin erweitere man doch auch ständig das Bio-Sortiment. Ja, ja, schon richtig, aber in der Breite und bei der Masse ist „immer schön billig“ die Devise.

Die Verbraucher seien doch selber Schuld, wenn sie das Zeugs dann kaufen, lächelt man hinter vorgehaltener Hand. Die wahren Kosten, die Umweltbelastungen, die Gen-Soja, die unwürdigen Haltungsbedingungen, die hohe Krankheitsanfälligkeit der Tiere, werden für das Putenschnitzel und das Hähnchen skrupellos von den Discountern in Kauf genommen. Dafür zahlen tun dann andere.

Der Lebensmitteleinzelhandel kann und darf sich vor seiner Verantwortung nicht drücken. Er bringt die Ware an den Kunden, er kauft das Fleisch bei Wiesenhof, Rothkötter und den anderen Geflügelzüchtern ein, er kann die Qualität und die Produktionskriterien bestimmen und vorgeben. Er kann nicht nur, er MUSS.

Bei Aldi Süd heißt es auf der Webpage: „Einfachheit, Konsequenz und Verantwortung sind die Kernwerte, die unser unternehmerisches Handeln seit je prägen. … Wir sind der Überzeugung, dass dauerhafter wirtschaftlicher Erfolg nur durch die Übernahme von Verantwortung für Mensch, Natur und Umwelt zu erzielen ist.“

Na, dann mal los lieber Aldi, krieg den Hintern hoch, es ist ganz einfach, denn die letzten 14 Jahre funktionierte die Geflügelmast auch ohne Gentechnik im Futtertrog. Verantwortung für Mensch, Natur und Umwelt ist bezahlbar, im Gegensatz zu den Schäden, die verantwortungslose Billig-Fleischproduktion dauerhaft anrichtet.

Auch für Lidl gilt: Über billige Preise schimpfen und dann mitmachen geht gar nicht. Zeige es deinen Konkurrenten und werde besser!

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