Detox: Fünf Schritte zur sauberen Produktion

12. Februar 2014
By | Source: Greenpeace Blog

Vor wenigen Tagen hat sich der Textildiscounter Primark verpflichtet, bis 2020 auf den Einsatz aller gefährlichen Chemikalien in der Produktion zu verzichten. Primark ist eine von zwanzig Firmen, die sich den Forderungen der Detox-Kampagne von Greenpeace angeschlossen hat. Diese Firmen weisen der Industrie den Weg, wie die Mode- und andere Branchen ein für alle Mal ohne Gift produzieren können.

Das sind großartige Nachrichten für alle Kunden, die Mode mögen und für die Menschen, die in den Produktionsländern neben den Abwasserrohren der Kleiderfabriken wohnen und mit den Folgen der giftigen Fracht leben müssen. Alleine in China haben über 320 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Aber was passiert, nachdem eine Firma wie Primark sich mit einer Unterschrift zu einer giftfreien Produktion verpflichtet hat? Wie gewährleistet Greenpeace, dass die Zusage kein Lippenbekenntnis bleibt? Schließlich ist die Vereinbarung nur moralisch, nicht aber rechtlich bindend. Können Greenpeace und die Verbraucher so große Konzerne wirklich zu konkreten Veränderungen bewegen?

Richtig ist, dass eine schriftliche Verpflichtung — ein sogenanntes „Commitment“ — ein Versprechen für die Zukunft ist. Es vergehen mehrere Jahre bis zur vollständigen Umsetzung. Allerdings sind für die nächsten Jahre fünf bedeutende Schritte – wie Kapitel in einem Buch – festgelegt. Am Ende steht die saubere Produktion bis spätestens im Jahr 2020.

Schritt 1 – Die Zusage
Wie Primark diese Woche oder Burberry vergangene Woche müssen die Firmen zunächst einräumen, dass ihre Produktion nicht sauber ist und sie das ab sofort ändern wollen. Das Detox-Commitment macht die Firmen individuell dafür verantwortlich, den Schleier über ihrer Produktionskette zu lüften und die Praxis in ihren Produktions- und Zuliefererfabriken weltweit auf giftfreie Alternativen umzustellen.

Schritt 2 – Der Gift-Check
Als nächstes müssen die Firmen mit allen Lieferanten sprechen, um herauszufinden, wo genau im Produktiosprozess nachweislich gefährliche Substanzen wie Nonylphenolethoxylate (NPE) eingesetzt werden. Einmal aufgespürt, verpflichten Firmen wie Primark ihre Lieferanten gefährliche Chemikalien durch unbedenkliche Substanzen zu ersetzen. Wenn der Markt noch keinen sauberen Ersatzstoff anbietet, müssen die Firmen ihren Einfluss nutzen und die chemische Industrie auffordern, diese zu entwickeln und anzubieten. Die enormen Produktionsmengen der Firmen mit Detox-Commitment schaffen eine ernstzunehmende Nachfrage. Oft hat die chemische Industrie bereits Alternativen in der Schublade.

Schritt 3 – Keine Geheimnisse mehr
Oft bleibt undurchsichtig, was die Firmen in die Gewässer einleiten. Abwasser wird im globalen Süden kaum dokumentiert, noch reguliert. Deshalb kooperiert Greenpeacemit der chinesischen Organisation IPE und deren Online-Plattform für Verschmutzungsdaten. Solche Daten akribisch zu dokumentieren und einsehbar zu machen, ist weltweit einmalig. Detox-Vorreiter Mango hat auf diesem Wege bereits die Abwasserdaten von mehr als hundert Lieferbetrieben offengelegt. Das ist eine Seltenheit, gerade in Produktionsländern wie China, wo solche Informationen bislang lieber verschwiegen wurden.


Schritt 4 – Achtung vor der unbekannten Gefahr
Für viele der rund 5.000 Substanzen, die alleine in der Textilproduktion gang und gäbe sind, fehlen umfassende Informationen über Gefahren und Risiken. Die Textilproduktion ist in vielerlei Hinsicht eine Blackbox. Greenpeace hat die Firmen verpflichtet, Licht in die Dunkelheit zu bringen und nicht nur ein Inventar aller Substanzen anzulegen, sondern diese auch durch das „Green Screen“-Programm laufen zu lassen, um vorsorglich zu checken, was über ihre Gefährlichkeit bekannt ist. Am Ende entsteht eine schwarze Liste mit Stoffen, die aus der Produktion verbannt werden, selbst wenn sie gesetzlich noch nicht verboten sind. Modefirmen haben sich verpflichtet Inventur und Screening bis zum Jahr 2020 abzuschließen. Andere Etappenziele sollen deutlich früher erreicht werden.

Schritt 5 – Verantwortung übernehmen
Es ist wichtig, dass die Firmen nicht nur reden, sondern ihre gesamte Firmenphilosophie und ihr tägliches Geschäft ändern. Gefragt ist eine ehrliche Kehrtwende.
Gemeinsam mit kritischen Konsumenten weltweit überprüft Greenpeace genau, wie weit die Firmen auf ihrem Weg zum Verzicht auf gefährliche Chemikalien sind. Anerkennung gebührt denjenigen, die echte Fortschritte machen und so zum Vorreiter einer ganzen Branche werden. Wer nur redet oder gar durch neue Skandale auffällt, ist nicht mehr als ein „Greenwasher“ und muss sein Verhalten gegenüber den Verbrauchern rechtfertigen. Wer Trendsetter und wer Greenwasher ist, haben wir im Detox-Catwalk zusammen gefasst.

Fehlstarter
Obwohl sie zu den ersten Firmen gehörten, die Ende 2011 saubere Produktion zusagten, stehen Sportartikelhersteller wie Adidas und Nike auf der Bremse, statt richtig Gas zu geben. Das muss sich ändern!

Darüber hinaus gibt es Firmen wie Disney, die sich bislang hartnäckig weigern, sich auf giftfreie Produktion zu verpflichten. Auch für sie ist eine Detox-Entgiftungskur dringend nötig, wie jüngst der Greenpeace-Test ihrer Kinderkleidung belegte . Kinder haben ein Recht auf saubere Kleidung.

Selbst wenn nicht alle Firmen von heute auf morgen entgiften, liegt es an uns, sie dazu zu bringen, in Zukunft sauber zu produzieren.


Werde aktiv!

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.@adidas Es ist Zeit zu entgiften! Go #allin for #Detox www.greenpeace.de/detox

Ich will Kleidung ohne gefährliche Chemie! @Disney: Time to #Detox! www.greenpeace.de/detox


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Finde heraus, wie die Macht der Verbraucher 20 globale Unternehmen dazu gebracht hat, sich zu giftfreier Produktion zu verpflichten.

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