Der Fuchs mitten unter uns

von Katrin Sdun
Nach einer ersten noch scheuen Begegnung im Juni 2012 besuchte mich mit zunehmender Regelmäßigkeit und wachsendem Vertrauen eine junge Füchsin. Sie gab mir über Monate immer wieder die Gelegenheit, zahlreiche Fotos und Videos aus nächster Nähe zu machen. Dies wurde für mich zu einem wahren Sommermärchen.
Nachbarn hatten einige Wochen zuvor bereits eine kleine Fuchsfamilie beobachtet, wie sie mit drei herumtrollenden Jungtieren durch die Gärten zog. Von dieser Familie, die ich selbst leider nie zu Gesicht bekam, blieb dann wohl nur die junge Füchsin im Revier. Zunächst kam sie meist zur Dämmerstunde, während ich in dieser Zeit fast täglich mit der Kamera zur Beobachtung der Waldohreulen draußen war. Spannend waren hierbei auch stets die Begegnungen zwischen Eulen und Füchsin. Die Eulen überflogen sie sehr knapp, wohl mehr aus Neugier und nicht als Angriff. Die Füchsin reagierte darauf sehr gelassen.
Gelegentlich konnte ich sie auch tagsüber beobachten. Das „Füchsle“, wie ich sie in der Zwischenzeit nannte, kam aus den angrenzenden Büschen heraus, um dann für einige Zeit ganz nah zu sein, immer wachsam, mal abwartend, manchmal wie zum Spiel auffordernd und wild im Garten herumtollend. Einmal warf sie einen am Boden liegenden Apfel in die Luft oder sie fraß eine erbeutete Maus vor meinen Augen. Vereinzelt folgte sie mir sogar bis zur Terrasse, klaute einen Schuh, schnupperte an meinem Stativ.

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Besonders bewegend waren die Begegnungen, wenn Besucher, die zur Eulen-Beobachtung gekommen waren, ebenfalls von der Füchsin „begrüßt“ und begutachtet wurden. Dabei kam sie bis auf wenige Meter heran, auch wenn sie bei schnellen Bewegungen sofort einen Satz zur Seite machte und trotz aller Zutraulichkeit vorsichtig und fluchtbereit blieb.
Ich widerstand der Versuchung, die Füchsin mit Futter noch näher heranzulocken, denn ich wusste, dass sie unbedingt wild bleiben sollte, mit der für ihr Überleben wichtigen Vorsicht und natürlichen Scheu. Dennoch war sie mir sehr ans Herz gewachsen und wurde zu einem festen Bestandteil einer „wilden WG“ im Garten.
Ich vermisste sie enorm, als sie sich gegen Ende des Jahres, nun nahezu ausgewachsen, immer seltener zeigte. Leider war es mir nicht vergönnt, Fotos von ihr im Schnee zu machen. Ich fand nur noch ihre Spuren, den typischen Abdruck ihres schnürenden Ganges. Aber ich konnte immerhin mittels einer installierten Wildkamera feststellen, dass ein Fuchs bis heute gelegentlich durch den Garten streift, meist in der Nacht. Hin und wieder höre ich das fuchstypische Bellen, ein seltsames Geräusch, dass nicht so recht zu diesen eleganten Tieren passen will.
Ich bin unendlich dankbar für all die wunderbar vertrauten Begegnungen mit dem Fuchs mitten unter uns. Ich hoffe sehr, dass es „meinem Füchsle“ gut geht, dass ihre Nähe in der Nachbarschaft weiterhin akzeptiert wird und dass sie vielleicht selbst eine Familie gründen kann.
Der Fuchs wird eher selten geliebt und ist vielen Gefahren ausgesetzt. In der Stadt zwar zunehmend geduldet, ist er dennoch oft mit Vorurteilen behaftet und wird vielfach teils erbarmungslos bejagt. Dieses faszinierende Tier verdient jedoch weit mehr als nur unsere Achtung. Der Fuchs: wild, schlau, schön.

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