Britischer AKW-Neubau torpediert Energiewende

22. Oktober 2013
By | Source: Greenpeace Blog

Ein Blogeintrag von Susanne Neubronner, Energie-Expertin von Greenpeace Deutschland

Großbritannien setzt auf gefährliche, überflüssige und teure Atomenergie und bittet dafür seine Steuerzahler erheblich zur Kasse. 10,9 Cent pro Kilowattstunde Strom sind den Investoren für die nächsten 35 Jahre als Abnahmepreis garantiert. Das ist fast doppelt so viel wie der übliche Marktpreis für Elektrizität und der Zeitraum ist doppelt so lang wie bei den staatlichen Abnahmegarantien für die Erneuerbaren Energien. Hinzu kommt das staatliche Angebot einer Bürgschaft über 65 Prozent der Baukosten. Das Risiko trägt die britische Bevölkerung nun doppelt: Das unternehmerische Risiko, das die Firmen nicht bereit sind allein zu tragen, und die Gefahr eines schweren Atomunfalls allemal. Gut für die großen Atomkonzerne Electricité de France (EDF), Areva, den staatlichen chinesischen Atomkraftwerksbauern CGN und die China National Nuclear Group. Schlecht für die europäische Energiewende. Mit dem grünen Licht des Staates für ein neues AKW im westenglischen Standort Hinkley Point hat UK ein weiteres europäisches Geldverbrennungsprojekt beschlossen, das den umweltverträglichen Umbau der Energieversorgung innerhalb Europas und die Menschen in Großbritannien gefährdet.

Die Finanzierung des Projekts stand lange auf wackeligem Fundament, daher greift die britische Regierung nun in die Subventionstrickkiste. Dabei verschließt sie die Augen vor den Erfahrungen anderer EU-Staaten wie Finnland und Frankreich, wo AKW-Neubauprojekte ähnlich wie in Hamburg die Elbphilharmonie, Stuttgart 21 oder der Berliner Flughafen nur mit enormer zeitlicher Verzögerung und massiven Mehrkosten vorangetrieben werden. 19 Milliarden Euro sollen investiert werden, zu rechnen ist mit einem deutlich höheren Betrag.

Eine dermaßen hohe staatliche Förderung der Atomenergie für viele Jahre bremst gewaltig den Ausbau und die Fördermöglichkeiten der regenerativen Energien. Die Erneuerbaren sind schon bald deutlich günstiger und würden auch in Großbritannien Tausende Jobs generieren, wenn auf der Insel nicht die Atomkraft künstlich konkurrenzfähig gemacht werden würde.

Dieses Vorgehen ist gegenüber der europäischen Gemeinschaft schon ignorant. Gerade erst wurde der Vorstoß einiger EU-Mitgliedstaaten – unter anderem auch Großbritannien und Frankreich – die Umweltbeihilferichtlinien so aufzuweichen, dass auch AKW-Neubauten leichter gefördert werden könnten, von den EU-Kommissaren ausgebremst. Schon ist Großbritannien dabei, durch die Hintertür exorbitante Subventionen zu gewähren.

Die EU- Kommissare müssen nun ihrer einmal gefällten Entscheidung, keine staatlichen Subventionen für AKW erlauben zu wollen, Taten folgen lassen und Großbritanniens Tricks entlarven und stoppen. Sollte die britische Regierung mit dieser Politik auf EU-Ebene Erfolg haben, öffnet dies Tür und Tor für andere Staaten die nur zu gern ein AKW mit Steuergeldern im eigenen Land errichten wollen.

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