Blicke in die Ewigkeit (Teil 3)

2. Mai 2012
By | Source: Greenpeace Blog

Greenpeace-Fotograf Markus Mauthe war unterwegs im Amazonas-Regenwald. Im Greenpeace Blog berichtet er von seinen Erlebnissen und Eindrücken (zum 1. Teil, zum 2.Teil).

Blick auf den Regenwald – (c) Markus Mauthe / Greenpeace

Um sechs Uhr geht die Sonne auf. Nach einem kurzen, spartanischen Frühstück packen wir zusammen und machen uns weiter an den Aufstieg. Immer wieder passieren wir große Geröllbrocken, die sich im Laufe der Zeit aus der Steilwand gelöst haben müssen — meist mit Pflanzen verschiedenster Art überwachsen. Imposant sind die oft meterlangen Wurzeln, die den Stein umschließen und so lange wachsen, bis sie sich im Boden verankern. Gegen Mittag wird es richtig steil.

Wir befinden uns auf einer Höhe von etwa 800 Metern. Große Bäume gibt es hier nicht mehr. Die Vegetation hat sich sichtbar verändert. Flechten und Farne, die bisher nicht vorkamen, wachsen hier an den Steilhängen. Es ist eher Gebüsch als Wald, das in dieser Umgebung überlebensfähig ist. Besonders unsere brasilianischen Freunde, die barfuß oder mit Badeschlappen unterwegs sind, freuen sich hier über die befestigten Seile, welche von den Vorgängerexpeditionen zurückgelassen wurden. Dann kommt der Moment, auf den wir schon so lange gewartet haben: Der erste freie Ausblick auf die Weite des Regenwaldes.

Es ist zwar nur ein kleines Fenster zwischen den Zweigen hindurch- aber, was wir dort sehen, lässt uns den Atem stocken und gibt uns eine Vorfreude auf das, was wir in den kommenden Tagen von den Abbruchkanten des Tepuis (Tafelberg) zu sehen bekommen. Eine riesige dunkle Wolkenwand trägt Wassermassen heran, die sich momentan noch im flachen Land abregnen, uns aber alsbald erreicht haben werden. Es erwischt uns in der Tat genau auf der freien Fläche kurz vor dem endgültigen Erreichen der Hochebene. Da man nicht nasser als nass werden kann, laufen wir einfach weiter.

Krebse auf dem Berg — eine unbekannte Spezies?

Die Vegetation hier oben ist völlig anders als unten im Wald. Gräser, Kakteen und allerlei Gebüsche durchziehen die zerklüfteten Flächen des fast ebenen Berges. Es schüttet aus Kübeln, als ich plötzlich auf einer Fläche mit sandigem Untergrund etwas allzu Merkwürdiges wahrnehme. Eine fast fünf Zentimeter hohe Wasserfläche hat sich durch den Regen gebildet und darin glotzen mich zwei kleine Krebse an. Krebse auf einem Tafelberg in 1000 Metern Höhe mitten im Regenwald? Ich bin fasziniert! Wegen des starken Regens traue ich mich aber nicht, die Kamera rauszuholen, um ein Foto von den Gesellen zu machen. Wohl auch, weil ich recht erschöpft bin. Das habe ich später bitter bereut, denn es sollte das einzige Mal sein, dass ich die Krebse zu Gesicht bekomme. Später — wieder in Manaus — berichtet uns Carlos, Biologe und Freund von Luis, der uns diesen Trip auch empfohlen hatte, dass er bei seiner Expedition diese Tiere auch gesehen hatte und es sich wohl um eine bisher unbekannte Spezies handeln muss. Aber da weder er noch ich ein Foto geschossen haben, bleibt sie wohl weiterhin unbenannt. Für die Krebse ist das wohl eher ein Segen.

Im Amazonas-Regenwald – (c) Markus Mauthe / Greenpeace

Die Hängematten unserer Freunde finden einen Ort zum Hängen in einem kleinen Taleinschnitt, durch den ein Bach verläuft, der bei unserer Ankunft durch den starken Regen zum rauschenden Fluss angeschwollen ist. Am Ende der Schlucht verschwindet er durch ein Loch im Boden, um irgendwo am Rande des Berges wieder zum Vorschein zu kommen. Hier wachsen sogar einige richtige Bäume, an denen sich die Hängematten leicht befestigen lassen. Nur einen ebenen Platz für ein Zelt gibt es nicht. Etwa zweihundert Meter oberhalb der Schlucht sehen wir eine kleine Geröll-Fläche, die frei von Vegetation ist und sich zum Zelten zu eignen scheint. Sobald der Regen aufgehört hat, machen wir uns an die Errichtung unseres Schlafplatzes. Die Sonne bricht durch die sich auflösenden Wolken und taucht unsere Umgebung in klare Farben und Formen. Wir legen alles triefend Nasse auf den Pflanzen zum Trocknen aus und befreien den künftigen Zeltplatz von allzu spitzem Untergrund. Das Zelt steht an einer schönen Stelle, wo wir sogar, wenn wir uns auf die Zehenspitzen stellen, einen Blick auf die Weiten des Waldes erhaschen können. Doch so richtig Freude haben wir an diesem Platz nicht… (Weiter geht’s morgen im vierten Teil)

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