Berlin erleuchtet

11. März 2014
By | Source: Greenpeace Blog

Berliner/innen protestieren gegen Atomkraft und erinnern an die Katastrophe von Fukushima.

Sirenen klingeln in meinen Ohren, kalter Schweiß rinnt mir über die Stirn, das Herz schlägt bis zum Hals — im Kopf aber hämmert nur dieser eine erstaunlich nüchterne Gedanke: Es ist passiert. Der größte anzunehmende Unfall ist real. Nicht in den Nachrichten. Nicht in Japan. Nein, vor meiner Haustür! Der Strahlenschutzbunker ist übervoll. 15.000 Plätze für ganz Berlin. Was haben sie sich dabei nur gedacht? Die AKW-Betreiber, die Lobbyisten, die Politiker? Haben sie sich überhaupt etwas gedacht?

Es ist ein Flash, so etwas wie ein öffentliches Theaterstück, das die Berliner Greenpeace Gruppe am Montagabend aufgeführt hat. Aber es dient nicht der Unterhaltung. Genau drei Jahre nach der Katastrophe in Fukushima hat die Aktion nur einen Zweck: Daran zu erinnern, dass Atomkraft ein unkalkulierbares Risiko ist, in Japan ebenso wie in Europa.

Über den Bebelplatz in Berlin Mitte laufen Menschen in Schutzanzügen mit Geigerzählern in der Hand. Zum Glück steht nicht „Katastrophenschutz“ auf ihrem Rücken sondern „Greenpeace“. Wohin wären wir im Ernstfall gelaufen? Wären wir zu Hause geblieben? In einer strahlenden Wohnung mit strahlendem Essen?

Wieder und wieder wandern die Schreckensbilder aus Tschernobyl und Fukushima durch meinen Kopf. Wem würdest du jetzt vertrauen? Dem beschwichtigenden PR-Sprecher des AKW-Betreibers? Oder denen, die seit vielen Jahren gegen Atomkraft kämpfen, die dich absprühen und die Strahlung messen?

Ich weiß, wem ich vertraut habe, als ich im März vor 3 Jahren das erste Mal von der Katastrophe in Fukushima erfahren habe — den Atomkraftgegnern. Und das tue ich noch immer, denn die Gefahr ist noch nicht vorüber:  Weiterhin läuft radioaktives Wasser aus den Reaktoren. Ich möchte mir nicht ausmalen, was bei einem weiteren Erdbeben passieren würde.

In Deutschland ist die Gefahr von Erdbeben geringer, doch das macht die deutschen AKW nicht sicherer. Nach der Katastrophe in Japan wurden auch hierzulande horrende Sicherheitsmängel bekannt. Es folgte der Beschluss: Atomausstieg bis Ende 2022. Aber reicht das?

Mehr als 150 Atommeiler stehen heute in Europa, bis zum Jahr 2030 sollen gut 60 weitere dazu kommen. Kommt es auch in nur einem davon zu einem Unfall, ist ganz Europa betroffen — Strahlung stoppt nicht an der Landesgrenze.

Heute hat Berlin gestrahlt – nicht durch radioaktive Belastung, sondern dagegen. Für eine sichere Zukunft, für erneuerbare Energien. Wir haben heute ein klares Zeichen gesetzt, das bis nach Japan reicht: Wir haben euch nicht vergessen. Ein Zeichen an die AKW-Betreiber und an atomfreundliche Politiker, die eine dezentrale, bürgernahe Energiewende verhindern. Ein Zeichen an die Menschen in Europa: Am 25. Mai wählt ihr eure Zukunft. Was wollt ihr wirklich? Wem könnt ihr vertrauen? Stellt sicher, dass ihr gehört werdet.

Und wenn euch ein Kreuz allein nicht ausreicht, dann geht für die Energiewende auf die Straße – zum Beispiel zu einer der bundesweiten Demonstrationen am 22. März.

Katharina Wallner, Greenpeace Berlin, 10.03.2014

Tags: