Auf Pump gebaut

16. Dezember 2013
By | Source: Greenpeace Blog

In Indien müssen Millionen von Landwirten ihre Felder während des langen, trockenen Sommers mit Grundwasser bewässern. Viele verlassen sich auf Diesel-Pumpen. Aber der Diesel-Treibstoff ist nicht nur teuer; er belastet auch die Umwelt. Pumpen, die durch saubere, Erneuerbare Energie betrieben werden, wie z.B. Solar-Pumpen, könnten sowohl das wirtschaftliche als auch das ökologische Problem lösen: Ihr Brennstoff ist kostenlos und sie stoßen keine Treibhausgase aus.  Doch diese Pumpen sind bisher ein Nischenprodukt. Greenpeace rief deshalb Designer, Tüftler, Erfinder, Studenten aller Fachrichtungen aus der ganzen Welt auf, eine solche Pumpe zu designen. Gregor Kessler, Pressesprecher bei Greenpeace, kommt gerade zurück von der Preisverleihung der Gewinner und berichtet:

Preisverleihung "A Watershed Moment in India-Projekt"

Preisverleihung "A Watershed Moment in India-Projekt"

Draußen vor dem Maurya Hotel übertönt das Feuerwerk einer riesigen Hochzeitsgesellschaft das alltägliche Hup-Konzert auf Patnas Straßen, doch den größeren Grund zu feiern gibt es eigentlich drinnen, hinter der ruhigen Hotellobby. Dort hat Greenpeace am vergangenen Donnerstagabend vor gut 70 Journalisten, Politikern und unzuordbaren Büffetgängern etwas vorgestellt, das das Leben in der nordöstlichen Provinz Indiens bald grundsätzlich verändern könnte. Konkret geht es um drei Modelle solarbetriebener Wasserpumpen. Grundsätzlich aber geht es um den Weg in eine sauberere Zukunft.
Zehn Millionen Motorpumpen befüllen indische Kleinbauern regelmäßig mit rußendem Diesel, damit sie in der Trockenzeit zwischen Dezember und Juni einen armdicken Strahl Wasser auf ihre Felder speien. Zehn Millionen knatternde Motoren, deren Abgase die Menschen hier krank und den Klimawandel schneller machen. Warum eigentlich? Die Sonne scheint reichlich in Indien, vor allem jetzt, in der trockenen Jahreshälfte. In Patna ist es auch Mitte Dezember gut 25 Grad. Offenbar sind die existierenden Solarpumpen den Kleinbauern zu teuer. Der relativ neuen Technologie wird noch nicht getraut. Vor allem aber sind die existierenden Anlagen zu groß, um sie abends vom Feld zu holen. Stationäre Anlagen aber finden nachts oftmals neue, unrechtmäßige Besitzer.
Der Ungar Balazs Nagy hat eine Lösung für das Problem. Eine ziemlich gute sogar. Deshalb ist auch er heute Abend hier in Patna. Nagys Entwurf einer erschwinglichen, verlässlichen und portablen Solarpumpe ist von einer unabhängigen Jury zu einer der drei Besten gewählt worden. Der 33-Jährige nimmt hier seinen Preis entgegen.
Diesen Wettbewerb hatte Greenpeace Anfang September weltweit ausgerufen. Die Herausforderung: Eine Solarpumpe zu entwerfen, die beweglich ist, mindestens ein Hektar Ackerland bewässern kann und weniger als 100.000 Rupien (knapp 1200 Euro) kostet. Mitmachen durften dabei nicht nur gestandene Ingenieure, sondern jeder. Alle Entwürfe standen für jeden einseh- und kommentierbar auf der Website www.greenpeacechallenge.org. Nagy gefiel das offene Verfahren gut: „Viele der Kommentare haben mir geholfen, meine Pumpe ist dadurch besser geworden.“ Eric Jensen, ein Kanadier, der schon seit 30 Jahren Solarpumpen produziert und dessen Modell die Jury am meisten überzeugte, hat früh im Wettbewerb Kontakt nach Indien aufgenommen. „Schon am zweiten Tag bekam ich eine Mail von ihm, weil wir die gleiche Art von Pumpen einsetzen“, erinnert sich Vivek Mundkur, der den zweiten Platz belegt hat. Immer wieder haben die beiden sich im Konstruktionsprozess ausgetauscht.
Mit der Prämierung der drei besten Entwürfe fängt die Geschichte jedoch eigentlich erst an. Im kommenden Jahr werden die Prototypen ausgiebig von Bauern hier in Patna getestet werden, danach noch einmal überarbeitet. Dann werden sie Herstellern, Investoren und Banken vorgestellt. „Und dann fertigt sie hoffentlich bald jemand in Serie“, sagt Ingo Boltz, der sich den Wettbewerb als Kopf von Greenpeace Innovation Abteilung aus Argentinien ausgedacht hat. Dann hätte Greenpeace seine Rolle als Katalysator wieder erfolgreich gespielt. Vielleicht ja so erfolgreich wie beim FCKW-freien Kühlschrank den die Umweltorganisation vor Jahren entwickelt hat – und der sich seither mehr als eine halbe Milliarde Mal verkauft hat. Potenzial gibt es jedenfalls laut Boltz genug: „Wir hatten schon die ersten Anfragen aus Afrika, da war der Wettbewerb gerade erst gestartet.“

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