20 Jahre Engagement für den Regenwald: Friedliche Proteste, verhaftete Aktivisten

9. November 2013
By | Source: Greenpeace Blog
Der Great Bear Regenwald (c) Oliver Salge / Greenpeace

Der Great Bear Regenwald (c) Oliver Salge / Greenpeace

Heute vor 20 Jahren: Greenpeace-Aktivisten, darunter auch der damalige Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland, Thilo Bode, werden auf einer Straßenbrücke verhaftet und einige Tage ins Gefängnis gesperrt. Der Grund der Gefangennahme ist ein friedlicher Protest gegen den Kahlschlag im Clayoquot Sound auf Vancouver Island. Die Aktivisten hatten sich auf eine Straße gestellt und wollten diese nicht verlassen.

Hat dieser Protest etwas erreicht? Erst vor sechs Wochen bin ich erneut, dieses Mal zusammen mit meinem kanadischen Kollegen Eduardo Sousa, in den Great Bear-Regenwald gereist, den Küstenregenwald an Kanadas Westküste. Wir wollten mit den Ureinwohnern (First Nations genannt) vor Ort über den aktuellen Stand des Waldschutzes austauschen. Greenpeace setzt sich seit 1993 für den Schutz der Küstenregenwälder an Kanadas Westküste ein. Mit Erfolg: Seit 2006 sind mit 2,8 Millionen Hektar große Teile des Urwaldes rechtlich verbindlich geschützt.

Diesem Beschluss der Regierung in der Provinz British Columbia, den Wald zu schützten, ging eine langjährige Kampagne von Greenpeace und anderen NGOs voraus. Wir protestierten gegen die Kahlschläge in Kanada, aber auch hier in Deutschland. Wir standen wochenlang vor dem Verlagshaus des Stern und forderten den Verlag Gruner + Jahr auf, kein Papier aus Urwaldzerstörung zu verwenden. Der Verlag setzte sich schließlich mit anderen Verlagen für den Schutz des Waldes ein.

Während ich im Wald einige Tage bei strömenden Regen umherstreifte, dachte ich daran, dass für den Schutz dieser Wälder bereits vor zwei Jahrzehnten Greenpeace-Aktivisten protestiert hatten — und dafür sogar in Kauf nahmen, für Wochen oder Monate ins Gefängnis zu gehen.

Kermodebär oder „Geisterbär“ im Great Bear Rainforest (c) Oliver Salge / Greenpeace

Kermodebär oder „Geisterbär“ im Great Bear Rainforest (c) Oliver Salge / Greenpeace

Während ich die riesigen Zedern im Wald stand und dabei über den Schutz dieses Waldes und noch bestehende Probleme oder neue Gefahren der Waldwirtschaft mit den Vertretern vor Ort sprach, erinnerte ich mich an dieses lange Engagement vieler Menschen bei Greenpeace für den Schutz der Umwelt. Und dann erreichte mich während meiner Reise Ende September die schockierende Nachricht, dass 28 Greenpeace Aktivisten sowie zwei Medienvertreter von russischen Polizisten auf Hoher See verhaftet wurden. Und das, weil sie friedlich gegen die Ölbohrung von Gazprom in der Arktis protestiert hatten. Es wurde gar auf sie geschossen. Ich bin noch immer fassungslos. Und vergleiche die zwei Ereignisse: In Kanada fand langjähriger Protest für den Schutz der Wälder statt. Viele Menschen wurden verhaftet und zu Gefängnisstrafen verurteilt — wegen des bloßem Sitzens auf der Straße. Später wird der Wald geschützt. Ein langer Atem war dafür notwendig.

In der Arktis: Ebenfalls friedlicher Protest , Verhaftungen wegen des Heranfahrens an eine Ölplattform, Untersuchungshaft seit nunmehr acht Wochen. Ich hoffe sehr,  dieser friedliche Protest der Aktivisten wird eines Tages dazu beigetragen haben, dass die Arktis, einer der letzten intakten Eismeere der Erde, zu einem Weltpark für die ganze Menschheit erklärt wird.

Denn damals wie heute ist es oft der persönliche Einsatz dieser Aktivisten, der zum Umdenken führt. In Kanada hat der Straßenprotest dazu beigetragen, dass letztendlich der Wald geschützt wurde. Deshalb sind wir heute in der Lage, die tollen Urwaldtäler und seine Tiere zu sehen und können uns mit den Ureinwohnern gemeinsam von der Magie der Regenwälder bezaubern lassen.

Ich hoffe, dies auch irgendwann über die Arktis sagen zu können.

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